Nachwuchsforschung im Bild

Forschung veranschaulichen – mit diesem Ziel schrieb die Uni Wien heuer gleich zwei Wettbewerbe für (Nachwuchs-)WissenschafterInnen aus: "Meine Forschung in einem Bild" und "Forschung verstehen". Die GewinnerInnen wurden am 27. Juni im Rahmen der Veranstaltung Arts & Science bekannt gegeben.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung Arts & Science vom 27. Juni in der Alten Kapelle am Uni Wien Campus standen die GewinnerInnen der ausgeschriebenen Wettbewerbe für NachwuchswissenschafterInnen. Erstmals fand unter dem Titel "Forschung verstehen" ein Infografik-Wettbewerb für DoktorandInnen statt. Der Foto-Wettbewerb "Meine Forschung in einem Bild" ging bereits in die fünfte Runde. Durch den Abend führte der PhD-Student Patrick Markey vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien.

Moderator Patrick Markey begrüßt die Gäste. © Universität Wien/Zsolt Marton

Zum Einstieg präsentierte Claudia Feigl, Sammlungsleiterin der Universitätsbibliothek, besondere historische Bilderschätze und berichtete, wie diese in der Lehre zum Einsatz kamen.

Claudia Feigl führt mit einem Vortrag über historische Bilderschätze in das Thema ein. © Universität Wien/Zsolt Marton

Anschließend fand die Preisverleihung des Wettbewerbs für Infografiken statt. Die Jury, bestehend aus APA-Infografik-Chef Walter Langauer, Tanja Traxler, Wissenschaftsredakteurin bei der Tageszeitung "Der Standard" sowie Veronika Schallhart, interim. Leiterin der DLE Öffentlichkeitsarbeit, prämierte die Arbeiten von Denise Seitner, Jakob Eder und Michael Prokosch.

And the winners are … Jakob Eder, Denise Seitner und Michael Prokosch (v.l.n.r). (© Universität Wien/Zsolt Marton)

Der erste Preis ging an Denise Seitner von der Fakultät für Lebenswissenschaften für Ihre Infografik "How Does a Fungus Conquer a Plant?". In ihrer wissenschaftlichen Arbeit zeigt sie auf, wie der Maisbeulenbrand die Pflanze auf molekularer Ebene zu Gunsten des Pilzes manipuliert. Grafisch setzt sie dies in einer ausgewogenen Text-Bild-Balance um und führt die BetrachterInnen mit Nummerierung und "Lupe" sicher durch das Thema. Die Infografik erzählt eine Geschichte – Storytelling sells!

Bild anklicken für gesamte Infografik. (© Denise Seitner)

Jakob Eder vom Institut für Geographie und Regionalforschung wurde für seine Arbeit "Innovation im ländlichen Raum" mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Er macht sich in seiner Dissertation auf die Suche nach innovativen Unternehmen im ländlichen Raum und analysiert, welche Faktoren diese Start-ups zu Hidden Champions machen (siehe dazu "Meine Forschung" in uni:view). Seine Grafik ist übersichtlich und klar gestaltet und zeigt farblich gestützt, was thematisch zusammengehört.

© Jakob Eder

Michael Prokosch vom Institut für Geschichte erhielt den dritten Preis. Er gestaltete seine Infografik "Ausgewählte Österreichische Bürgerbücher der Frühen Neuzeit (Beispiel Linz)" sehr farbenfroh und mit guten grafischen Ansätzen. In seiner Dissertation vergleicht er die Berufs- und Bevölkerungszusammensetzung österreichischer Städte im 17. und 18. Jahrhundert.

© Michael Prokosch

Martina Weber, Botanikerin an der Fakultät für Lebenswissenschaften, begeisterte mit ihrem Vortag "Reizender Pollen". Sie zeigte auf, welch mächtiges Tool Blütenstaub sein kann, wenn man ihn nur sichtbar macht: um forensische Rätsel in der Kriminalistik zu lösen, Essgewohnheiten unserer Vorfahren zu analysieren – man denke nur an Ötzi – oder mehr über das Klima und die Vegetation früherer Zeiten zu erfahren.

Martina Weber referiert über Blütenstaub als vielfältiges Tool. © Universität Wien/Zsolt Marton

Beim Fotowettbewerb wählte die Facebook-Community durch Online-Voting in einer ersten Stufe zehn Bilder für die Jury aus. Ihre Mitglieder, Bernadette Ralser vom uni:view Magazin, Petra Bernhardt vom Institut für Politikwissenschaft, Raphael Rosenberg vom Institut für Kunstgeschichte sowie Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik entschieden sich dann für die Werke von Martina Schmidl, Magdalena Siegel, Christina Riedler und Sventlana Kim.

Sventlana Kim, Martina Schmidl, Christina Riedler und Magdalena Siegel (v.l.n.r.) wurden für ihre Einreichungen ausgezeichnet. (© Universität Wien/Zsolt Marton)

Martina Schmidl vom Institut für Orientalistik gewann den ersten Preis mit ihrer Fotografie "From Vienna with Love". In ihrer Dissertation untersuchte sie 2.500 Jahre alte, mit Keilschrift beschriebene Tontafeln und gewann daraus Erkenntnisse über persönliche Beziehungen und bürokratische Strukturen im alten Mesopotamien. Für das Foto ließ sie das Vergangene mit dem Heute verschmelzen. In die wie ein Brief aussehende Tontafel gravierte sie "Ein Brief von Martina, Wien" ein.

© Martina Schmidl

Es gab ein zweites Siegerbild: "She keeps me warm" fotografierte Magdalena Siegel vom Institut für Angewandte Psychologie, Gesundheit, Entwicklung und Förderung. Sie untersucht, wie sich die rechtliche Situation von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und anderen nicht heterosexuellen Personen auf ihre psychische Verfassung auswirkt und fotografierte zwei junge Frauen kurz nach ihrer Hochzeit.

© Magdalena Siegel

Bei den JungwissenschafterInnen war die Freude groß. Hier: Magdalena Siegel vor ihrem ausgezeichneten Fotobeitrag. © Universität Wien/Zsolt Marton

Platz zwei holte sich Christina Riedler mit ihrem Foto "Accessibility All Areas". Sie forschte in ihrer Dissertation über die Partizipationsmöglichkeiten von Menschen mit besonderen Bedürfnissen auf Live Musik-Events und hat das Bild beim "Wacken Open Air", dem weltgrößten Heavy Metal-Festival, aufgenommen. Auf Basis ihrer Erkenntnisse hat sie mit ihrer Geschäftspartnerin Martina Gollner die Beratungs- und Kommunikationsagentur "FullAccess" gegründet und ermöglicht damit Menschen mit Behinderungen z.B. Großveranstaltungen wie das Donauinselfest zu besuchen. uni:view hat darüber bereits berichtet.

© Universität Wien/Zsolt Marton

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Foto "A Friendship Transcending National Borders" von Sventlana Kim vom Institut für Slawistik, das 2018 in Korea entstand. Das Bild zeigt zwei Kinder während der Eröffnung des ersten Korjo-Saram Forschungszentrums in Seoul. Mit Korjo-Saram bezeichnet man die koreanische Minderheit, die in Russland und Zentralasien lebt. Viele von ihnen kehrten aus wirtschaftlichen Gründen nach Südkorea zurück. Sventlana Kim untersucht die Situation der Korjo-Saram und wie sie sich an ihre "new homelands" anpassen.

© Sventlana Kim

Bei Buffet und Getränken klang der Abend trotz großer Hitze gemütlich aus. (© Universität Wien/Zsolt Marton)