Wer lehrt, hat auch einmal studiert: Anna Babka

"Ins Kaffeehaus gehen und diskutieren, Lesekreise bilden, sich politisch engagieren und die Welt entdecken", lautet der Rat von Anna Babka an Studierende. In unserer Reihe "Wer lehrt, hat auch einmal studiert" spricht die Germanistin über ihre eigene Studienzeit.

uni:view: Erinnern Sie sich zurück: Was haben Sie damals an Ihrem ersten Tag auf der Universität erlebt?
Anna Babka: Als ich das erste Mal das Institut für Vergleichende Literaturwissenschaft betrat (damals noch ein Studienversuch mit wenigen Studierenden), war ich voll der Erwartung, fröhlich, fast glücklich könnte man sagen, und vor allem extrem neugierig. Ich hatte kurze Zeit davor die Matura auf dem zweiten Bildungsweg absolviert und wollte einfach nur "wissen" und das Studileben "leben". Und so stolperte ich gleich in eine Infoveranstaltung für Anfänger_innen und war mitten drin in der Unipolitik. Ich wurde bald darauf Studienrichtungsvertreterin und ein bisschen ist das alles so geblieben, bis heute ...

Studentin Anna Babka 1993 bei einer Reise in Ecuador. Ihre Motivation: "die Welt entdecken und Spanisch lernen". (© A. Babka)

uni:view: Welches Motto hat Sie während Ihres Studiums begleitet?
Babka: Fast nichts ist unmöglich – und alles, was nicht unmöglich ist, muss bzw. kann gelernt werden, vor allem im Ausland. Oder muss einfach umgesetzt werden (Unipolitik). Und so war ich sicherlich eine jener Student_innen, die ALLE verfügbaren Stipendien, die ins Ausland führten oder das Studium mitfinanzierten, konsumiert hat (Austauschstipendien, Erasmus, kurzfristige Stipendien zum Fertigstellen wissenschaftlicher Arbeiten, AK-Stipendium etc.). Dieses Wissen habe ich als Studienrichtungsvertreterin systematisch an jüngere Studierende weitergegeben. Die politische Arbeit (eine kritische Zeitung namens "Kom.mit", gemeinsam mit unserer Institutsgruppe, noch selbst kopiert (!), war Teil davon, Mitglied der BAGRU und vieler Gremien etc. sein ebenso) hat mich bis zum Ende des Doktorats und noch weiter begleitet.

uni:view: Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Studienzeit?
Babka: Die langen Reisen in den Ferien als Erkundung der Welt und als Einsicht in dieselbe, als Begegnung mit den Menschen, die auf ihr leben. Das Gefühl der unbegrenzten Freiheit und auch die gefühlt grenzenlose Zukunft, die sich vor mir ausbreitete. Zudem: Eigentlich nur das zu tun, was interessant war und wichtig schien.

uni:view: Welche Tipps geben Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg?
Babka: Unter dem Semester: viel ins Kaffeehaus gehen und diskutieren, Lesekreise bilden, sich politisch engagieren, sich ehrenamtlich für die Schwächeren der Gesellschaft einsetzen (das eigene Privileg reflektieren und danach handeln). In den Ferien: Reisen, die Welt entdecken und egal wohin die Reise geht, dann dort die Seminararbeiten fertig schreiben. Vor allem: einen kritischen Geist entwickeln und leben. Das geht nur, wenn man kritisch "lesen" gelernt hat. (red)

Anna Babka studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Romanistik und feministische Theorie an den Universitäten Wien, Lausanne und Paris. 1998 promovierte sie am Institut für Germanistik der Uni Wien, danach war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin in diversen Projekten tätig. Von 2006 bis 2008 hatte sie eine Hertha-Firnberg-Stelle am Institut für Germanistik inne, danach folgte für drei Jahre eine Elise-Richter-Stelle des FWF sowie eine vierjährige Assistenzprofessur. Seit 2014 ist Anna Babka assoziierte Professorin am Institut für Germanistik der Uni Wien.