Mein Element: Gold

Vor 150 Jahren präsentierten zwei Forscher unabhängig voneinander das Periodensystem, das Forschung und Lehre bis heute prägt. Im ausklingenden "Internationalen Jahr des Periodensystems" stellen ExpertInnen der Uni Wien ihre "Lieblingselemente" vor: Den Anfang macht Christian Lengauer mit Gold.

Was mich an Gold am meisten fasziniert:
Kein anderes Element hat den Verlauf der menschlichen Geschichte so beeinflusst wie Gold. Auf der einen Seite ist es eines der anthropozänen Leit-Elemente: Die Gier nach Gold war der Grund für Kriege und Genozide, aber auch für landschaftliche Veränderungen, die nicht rückgängig gemacht werden können. Auf der anderen Seite war und ist das Streben nach diesem außergewöhnlichen Element die Grundlage für die Entwicklung des Bergwesens und der Rohstoffwirtschaft – und über die Alchemie die Basis der Chemie als naturwissenschaftliche Disziplin.

In meiner Forschung arbeite ich mit Gold, weil ...
... es mein wissenschaftliches Leben mit Farbe erfüllt und es immer aufregend ist, Freigold zu entdecken. Und: Gold ist ein in der Natur vorkommendes Element, mit dem LaiInnen, Jugendlichen und Studierenden die Faszination der Mineralogie im Labor, im Museum und in der Natur sehr gut vermittelt werden kann.

Im Bild ist eine Mineralstufe von Gold aus Siebenbürgen, Rumänien zu sehen (Bildbreite 30 mm). Aufgenommen wurde das Foto in der Mineralsammlung des Instituts für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien, die für Studien- und Lehrzwecke genützt wird. Führungen durch die Sammlung können für Interessierte und (Schüler-)Gruppen individuell vereinbart werden. (© Thomas Rosen)

Mein Element in drei Worten:
Weihnachtsglanz, Nugget, Philharmoniker.

Gold: Held oder Bösewicht?
Beides. Held, weil Gold gegenüber Säuren und Basen sehr widerstandsfähig, gleichzeitig aber sehr weich und plastisch ist. Daraus ergibt sich eine dauerhafte, farbechte Beschichtung, ideal zum Vergolden durch Galvanisierung oder mit Blattgold. Außerdem ist Gold der korrosionsbeständige Elektronenleiter mit der besten elektrischen Leitfähigkeit und wird daher in der Elektronik, zum Beispiel auf Leiterplatinen, als hochwertiger Kontakt verwendet. Gold ist aber auch ein Bösewicht – schließlich wurden seinetwegen ganze Zivilisationen und Kulturen vernichtet. Man denke nur an die Eroberung des amerikanischen Kontinents. Auch heute noch verursacht der Gold-Abbau in Giga-Tagebauten und seine Aufbereitung durch Quecksilber-Amalgamation oder Cyanid-Laugung massive negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Mit wem bei Gold "die Chemie stimmt":
Gold kann besonders gut mit seinen "Buddies" Silber und Kupfer, mit beiden ist es ein unverzichtbarer Anteil in Legierungen für Schmuck und Technik.

Wussten Sie, dass …
... die größten Lagerstätten der Welt nur ein bis zwei Gramm Gold pro Tonne Gestein beinhalten, das auf Flächen von 13 km2 und bis zu einer Tiefe von 1.000 m abgebaut wird, zum Beispiel in Chuquicamata, Chile?

Die wichtigsten Kenndaten von Gold:
Ordnungszahl: 79; Symbol: Au; Gruppe: Kupfergruppe;
Masse (gerundet): 196,97 u; Vorkommen: natürlich.

Gold ist ein "Eyecatcher", weil …
... seine einzigartige, warmgetönte Farbe durch ein hohes Reflexionsvermögen im rot-gelben Spektralbereich (ca. 90 Prozent) und einem geringen Beitrag im grün-blauen (ca. 35 Prozent) verursacht wird, einfach einzigartig.

Ein "Moment of Fame" des Elements Gold:
1492 wurde Amerika aus europäischer Sicht entdeckt, und die Eroberung des amerikanischen Kontinents war hauptsächlich durch die europäische Gier nach Gold motiviert. 1848 erfasste der Goldrausch Kalifornien und die damalige Migrationswelle war der erste Schritt zur wirtschaftlichen Vormachtstellung der US-Westküste in Nordamerika.

Eine Welt ohne Gold fände ich:
Glanzlos.

Gold in meiner Forschung und Lehre:
Als wichtiger Rohstoff in der Lehre unverzichtbar, beschäftige ich mich in der Forschung mit der Synthese von Gold-Silber Legierungen und Untersuchungen zu deren optischen Verhalten.

Christian L. Lengauer leitet das Institut für Mineralogie und Kristallographie an der Universität Wien. Das Thema Gold und seine Vorkommen in den Hohen Tauern begleiten ihn seit seiner Studienzeit. Nach dem Studium der Erdwissenschaften und Promotion an der Universität Salzburg war er als Postdoc am Laboratorium für Kristallographie an der ETH Zürich tätig und nach seiner Habilitation an der Universität Wien u.a. als Exchange Scholar an der UCSB in Santa Barbara. (© Thomas Rosen)

Der Dezember steht im uni:view Magazin ganz im Zeichen der Elemente: Im Dossier "Mein Element" präsentieren WissenschafterInnen den ganzen Dezember lang Überraschendes und Wissenswertes zu Elementen, mit denen sie in Forschung und Lehre arbeiten.