Mein Business: "Try new things"

Die Alumna der Universität Wien Evelyn Wong leitet seit mittlerweile sechs Jahren erfolgreich ihre eigene psychotherapeutische Praxis in Wien. Und das, obwohl am Tag der Praxiseröffnung alles schieflief.

Stellen Sie uns bitte Ihr Unternehmen in zwei Sätzen vor …
Evelyn Wong: Die Schwerpunkte meiner psychotherapeutischen Praxis umfassen primär Partnerschaft und Familie, insbesondere Transgenerationale Traumatisierungen, Burn-out, Angst- und Panikstörungen. In den Gesprächen arbeite ich mit Einzelpersonen, Paaren, Familien und Gruppen.

Im Dossier "Mein Business" stellen Alumni der Universität Wien ihr Start-up bzw. Unternehmen vor und verraten Tipps und Tricks für (zukünftige) GründerInnen. Das Dossier läuft in Kooperation zwischen dem uni:view Magazin, der DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung und dem Alumniverband.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen – und wann stand fest: Ich gründe eine Firma?
Wong: Kristin Ritter, eine von mir hochgeschätzte Studienkollegin aus der Kultur- und Sozialanthropologie, die bereits während des gemeinsamen Studiums seit Jahrzehnten praktizierende Psychotherapeutin war, empfahl mir, die Psychotherapieausbildung zu absolvieren. Einige Jahre später (etwa 2013) und gegen Ende der Ausbildung zur Psychotherapeutin arbeitete ich neben meinem Angestelltenverhältnis dann in einer psychotherapeutischen Gemeinschaftspraxis. 2015 entschloss ich mich schließlich, meine eigene Praxis in Vollzeit zu gründen.

Sie haben Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien studiert. Inwiefern hat ihr Studium beim Weg in die Selbstständigkeit eine Rolle gespielt?
Wong:
Der Gedanke an eine Praxisgründung begann während der Psychotherapieausbildung durch die Idee, psychotherapeutische Themenfelder mit anthropologischen Arbeitsschwerpunkten wie Medical Anthropology, Gender und Migration zu verbinden.

Haben Sie sich das Gründen so vorgestellt?
Wong:
Nein, ganz und gar nicht: Hätte ich damals gewusst, wie viel mehr an Autonomie, Lebensfreude und sinnstiftende Momente das selbstständige Arbeiten mit sich bringt, hätte ich schon viel früher ans Gründen gedacht.

Was war für Sie die größte Herausforderung?
Wong:
Die größte Herausforderung ist für mich nach wie vor das Meistern der Administration.

Veranstaltungstipp: Wann ist es ratsam, ein Patent anzumelden? Hildegard Etz vom Österreichischen Patentamt gibt am Donnerstag, 14. März, am Campus der Uni Wien einen Überblick über den Schutz geistigen Eigentums (IP) und stellt die Services des Patentamts vor. Im Anschluss gibt es von Markus Pietzka (INiTS) Infos zur Gründungsfinanzierung (© pixabay). Mehr Informationen

Ihr schönster Augenblick?
Wong:
Kommt hoffentlich noch. Die Praxiseröffnung war für mich vielleicht der schönste Tag seit meiner Gründung, obwohl an dem Tag das ein oder andere Missgeschick passierte. Der Sekt war aufgrund einer Unachtsamkeit bei der Lagerung gefroren, die bereitgestellten Brötchen fanden selbst bei überaus hungrigen Gästen wenig Anklang und ein mitgebrachtes Gastgeschenk, ein Weihnachtsstern, fing Feuer und wurde durch den beherzten wie ebenso geglückten Löschversuch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Letztendlich war es aber ein sehr gelungenes Fest.

Haben Sie Vorbilder?
Wong:
Vorbilder sind das Destillat der bereichernden Eigenschaften der Menschen in meiner Umgebung, die mir die wertvolle Möglichkeit bieten, in ihre Lebenswelt einzutauchen.

Wie hätte Sie die Uni mehr unterstützen können?
Evelyn Wong:
Obwohl ich meine Studienjahre sowie die im universitären Kontext vermittelten Wissensinhalte nach wie vor sehr wertschätze, wünschte ich, dass ich von den Lehrenden mit einem Stück mehr an Gelassenheit, Leichtigkeit, Mut und Selbstwirksamkeit ausgestattet worden wäre.

Welche Tipps würden Sie Ihrem damaligen "Gründerinnen-Ich" aus heutiger Sicht geben?
Wong:
Try new things.

Steckbrief
Name: Evelyn Wong
Alter: 52 Jahre
Studium: Kultur- und Sozialanthropologie
Gründungsjahr: 2013
Mein Business: Psychotherapeutische Praxis
Mein Motto: Das Leben meint es im Allgemeinen gut mit uns (Wilhelm Firbas)
Mein Tipp für GründerInnen: Im Fall eines Entscheidungsfindungsprozesses kann die Reflexion der Frage "Wie sieht der Mensch aus, der ich sein möchte?" hilfreich sein.
Link zur Webseite: www.evelynwong.at

Das Interview führte Lisa Grabner (DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung sowie Wissenstransferzentrum Ost).