Das war die zweite Entrepreneurship Night an der Uni Wien
Redaktion (uni:view) | 27. Juni 2018Am Montag, 18. Juni 2018, ging zum zweiten Mal die Entrepreneurship Night an der Universität Wien über die Bühne. Das Hörsaalzentrum am Campus der Uni Wien wurde zum Treffpunkt für Start-ups, Selbstständige und Gründungsinteressierte.
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Rund 250 AbsolventInnen, Studierende und (Jung-)WissenschafterInnen der Uni Wien kamen trotz hochsommerlicher Temperaturen und Fußball-WM am 18. Juni zum Campus der Universität Wien, um persönliche Erfahrungen von GründerInnen zu hören oder sich in einem der Workshops Input für die eigene Geschäftsidee zu holen.
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In seiner Eröffnungsrede betonte Rektor Heinz W. Engl, selbst Unternehmensgründer im Bereich der Industriemathematik, die Rolle der Universitäten für Entrepreneurship und hielt fest, dass radikale Innovationen meist aus zunächst zweckfreier Grundlagenforschung entstünden. Neben Bewusstseinsbildung und Information durch Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie einer Professur für Entrepreneurship an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, plane die Universität das Thema in Zukunft mehr als bisher auch in Curricula einzubringen. Spin-offs, also Gründungen direkt aus der Universität heraus, seien nur ein Aspekt, wie die Universität wirksam für die Gesellschaft werden kann und soll, so Engl.
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112 Unternehmen werden in Österreich täglich gegründet, 40.000 im Jahr, verwies Bundesministerin Margarete Schramböck auf die Zahlen. Dennoch müsse man überlegen, wie man besonders das Potenzial an den Hochschulen weiter heben und die GründerInnenquote, insbesondere an den Universitäten, steigern könne, denn derzeit gründe nur jede/r 20. AbsolventIn. Schramböck will mehr Begeisterung und Mut fürs UnternehmerInnentum generieren und im Studium verankern. Ans gründungsinteressierte Publikum appellierte die Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort: "Seien Sie verrückt genug, Dinge zu denken und umzusetzen, die andere noch nicht gedacht haben. Jede Gründung ist uns wichtig, wir brauchen Sie am Standort."
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Als Kooperationspartner mit dabei war die Wirtschaftsförderbank des Bundes, aws - Austria Wirtschaftsservice. Das Wecken und Weiterentwickeln von "entrepreneurial spirit" sieht aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister als eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen in Österreich und freute sich über die Initiative der größten Universität des Landes. "Auch wenn sie mit ihren 650 Jahren wohl nicht mehr als Start-up durchgeht, startet die Universität Wien mit der Entrepreneurship Night ziemlich durch", so Sagmeister augenzwinkernd.
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Im Gespräch mit Christiane Wassertheurer vom ORF erzählten zwei erfolgreiche Uni-Wien-Gründer von ihrer persönlichen Geschichte und was sie veranlasst hat, nach dem Studium ein Unternehmen zu gründen. Der Chemie-Absolvent Michael Fassnauer lernte seinen Co-Gründer, einen Meteorologen, Anfang des Studiums an der Uni Wien kennen, Jahre später wurde aus dieser Freundschaft ein gemeinsames Unternehmen, der Wetterdienst Ubimet. Eine gesunde Portion Wut und Mut sei nötig gewesen, um die eigene Idee auch gegen Widerstände von außen umzusetzen, so Fassnauer. "Ich habe gewusst, dass diese ganz präzise Wetterinformation wichtiger werden wird, denn Logistik, Handel, Landwirtschaft und weitere Wirtschaftsbereiche sind vom Wetter abhängig."
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Gregor Demblin, Gründer von myAbility, berät Unternehmen dabei, wie sie Menschen mit Behinderung als Zielgruppe optimal integrieren und bedienen können. Demblin, der selbst seit einem Badeunfall auf der Maturareise querschnittgelähmt ist, wollte aus der eigenen Betroffenheit heraus einen Beitrag leisten, damit sich gesellschaftlich etwas ändert. "Ich wurde plötzlich selbst komplett anders behandelt, mir wurde keine Leistung mehr zugetraut." Heute arbeitet seine Unternehmensberatung mit rund 50 Großunternehmen erfolgreich zusammen und schafft etwa jedes Jahr hunderte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen. Sein Rat an künftige GründerInnen: "The sky is the limit – wenn man eine Idee hat, sie sich nicht ausreden lassen, selbst seinen Weg weiterverfolgen."
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Das universitäre Gründerservice INiTS unterstützt forschungs- und entwicklungsintensive Unternehmensgründungen, die schnell wachsen können und sollen. "Gründen Sie in dem Bereich, wo Sie etwas wirklich gut können", rät INiTS-Geschäftsführerin Irene Fialka künftigen UnternehmerInnen. Wenn es um wirkliche Innovationen gehe, sei auch Scheitern und das Adaptieren der Geschäftsidee wichtig und erlaubt.
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GründerInnen mit und ohne Uni-Wien-Background berichteten in vier Talks über ihre Unternehmen – von naturwissenschaftlich-technischen Gründungen über Wissensdienstleistungen und Female Entrepreneurship bis zum Social Business.
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In Kurz-Workshops konnten Interessierte erste eigene Geschäftsideen entwickeln, den richtigen Zeitpunkt für Ihre Gründung überlegen und alles Wichtige zum Markenschutz erfahren.
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Jede Menge Tipps & Tricks aus der Gründungsberatung und -förderung gab es am Info-Marktplatz. Die Entrepreneurship Lounge bot Gelegenheit für Austausch und Networking mit GründerInnen und Gründungsinteressierten bis spät in die Nacht. (Text: Siegrun Herzog, Fotos: © Suchart Wannaset)
Hier gibt es das Video zur Entrepreneurship Night an der Universität Wien zum Nachschauen.