6 Fragen an Dekan Wolfgang Klas (2014-16)

Schon drei Funktionsperioden steht Wolfgang Klas der Fakultät für Informatik vor. Als erstes wichtiges Element seiner vierten Amtszeit nennt der Dekan die weitere Entwicklung des Potentials der Fakultät nach dem Umzug in die Währingerstraße 29, wo sich inzwischen alle früheren Fakultätsstandorte versammelt befinden.

1) Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Position? 
Nach nun fast sechs Jahren Amtszeit als Dekan würde ich zusammenfassen: Die kürzlich abgeschlossene Evaluierung der Fakultät bestätigt den sehr erfolgreichen Kurs, den die Fakultät beschritten hat. Den KollegInnen in der Fakultät ist es in beeindruckender Weise gelungen, die interne Verfassung der Fakultät dahingehend zu ändern, dass sich explizit Forschungsgruppen in wohldefinierter Form gebildet haben, deren thematische Felder definiert und sichtbar gemacht wurden, und diese Forschungsgruppen nun als tragende Säulen der Forschungsschwerpunkte, der Ausrichtung und der Leistungen der Fakultät agieren. Die im neuen Entwicklungsplan verfasste Ausrichtung stellt eine positive und spannende Weiterentwicklung der Fakultät dar und ist eine gute Basis, die bisherige Erfolgsgeschichte der Fakultät auch für die Zukunft zu gewährleisten.

Es ist sehr schön zu beobachten, wie sich alle Kennzahlen der Fakultät, sei dies die hochwertige Publikationsleistung, die Drittmittelleistung, oder die Zahl der Professuren, durchgehend positiv entwickelt haben. Das seit Oktober 2012 verfügbare gemeinsame Gebäude der Informatik in der Währinger Straße 29 wirkt sich bereits  – wie erwartet -  äußerst positiv auf die Entwicklung aus. Als Dekan gilt es, die vielen auf den Erfolg der Fakultät ausgerichteten Aktivitäten gewissermaßen zu orchestrieren.


Das Gebäude in der Währinger Straße 29 führt zum einen die Einheiten der Fakultät für Informatik, die bisher auf verschiedene Orte verteilt waren, räumlich zusammen. Zum anderen findet dort auch das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, das bislang im 18. Bezirk angesiedelt war und Standorte über ganz Wien verteilt nutzte, ein neues Dach.



2) Was stellt für Sie die größte Herausforderung dar?
Es gilt die richtige Balance zu finden, die Relation zwischen Aufwand, "Dekan zu sein", und Erreichtem bzw. Erreichbarem muss stimmen. Man befindet sich ja in einem in hohem Maße vorgegebenen Systemrahmen. Teils stehen einem zu schnell unverrückbare Grenzen des Machbaren gegenüber und man muss nüchtern feststellen, dass der Gestaltungsraum doch sehr  limitiert ist. Das betrifft die verfügbaren Budgets, die limitierten Raumressourcen, die arbeitsrechtlichen Hindernisse,  alles Beispiele für Limits, deren Überwindung eine echte Herausforderung darstellen. 

3) Wo sehen Sie die Universität Wien in zehn Jahren, und was ist auf dem Weg dorthin wichtig? 
Anlässlich der aktuellen politischen Gegebenheiten wiederhole ich meine vor zwei Jahren getätigte Einschätzung und unterscheide zwischen (utopischer?) Wunschvorstellung und realistischer Vision. In meiner Wunschvorstellung ist die Universität Wien in zehn Jahren auf Basis ihrer Autonomie das Problem der chronischen Unterfinanzierung und der Massenuniversität los, sie sucht sich ihre Studierenden selbst aus, schafft damit ein Biotop der besten, kreativsten Kräfte im Land, und ist damit eine stete Quelle von Wissen, Qualifikation und Innovation, die dazu beiträgt, unseren Wohlstand abzusichern. Das zur Perfektion entwickelte Improvisieren als fixer Systembestandteil an der Universität Wien ist Geschichte.

Die wohl realistischere Vision wird sein, dass die Universität Wien eben nur Teile dieser Wunschvorstellung erreichen wird: Vielleicht gelingt es, in weiteren Fachbereichen sich die besten Studierenden auszusuchen; vielleicht gelingt es, jenen Fächern, die unmittelbar mit Sicherung von Wettbewerbsvorteilen zu tun haben, einen höheren und attraktiveren Stellenwert – auch für Studierende – einzuräumen; vielleicht gelingt es, von der stetig wachsenden Zahl an über 100.000 AbsolventInnen der Universität Wien eine Spende von jährlich jeweils 100 Euro für eine Forschungsstiftung der Universität Wien zu bekommen; vielleicht gelingt es, die Lehrerausbildung so umzustellen, dass wir mit Freude über unseren Beitrag zu zukünftig überzeugenden PISA-Tests in diesem Land sprechen können. All das kann ich mir vorstellen, wenn wir nicht nachlassen, konsequent an der Umsetzung von geeigneten Lösungen zu arbeiten.


BIOGRAPHISCHES:

Wolfgang Klas ist seit Oktober 2008 Dekan der Fakultät für Informatik. 1986 Dipl.-Ing. im Fach Informatik an der Technischen Universität Wien. 1986-87 Forschungs- und Studienassistent an der TU Wien, 1987-88 Visiting Scientist am International Computer Science Institute (ICSI) der Universität von Kalifornien in Berkeley (USA). 1990 Promotion zum Dr. techn. im Fach Informatik an der Technischen Universität Wien. 1992-1996 Leiter des Forschungsbereichs "Distributed Multimedia Information Systems" am Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme des GMD – Forschungszentrum Informationstechnik, Darmstadt (D). 1993 Visiting Professor am Department für Wirtschaftsinformatik, Johannes-Kepler-Universität Linz. 1998-2000 Direktor des Steinbeis-Transferzentrums, Ulm (D). 1996-2000 Professor an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik der Universität Ulm (D). 2002-04 Vorstand des Instituts für Informatik und Wirtschaftsinformatik der Universität Wien. 2002-08 Wissenschaftlicher Leiter des Forschungsstudios "Digital Memory Engineering" der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft. 2001-08 Studienprogrammleiter an der Fakultät für Informatik der Universität Wien. 2005-08 Mitglied im Editorial Board der "ACM Transactions on Multimedia Computing, Communications, and Applications" (ACM, USA). Seit 2006 Mitglied im Editorial Board von "Multimedia Systems", Springer, Berlin/Heidelberg (D). Seit September 2000 Professor an der Universität Wien; Leiter der Forschungsgruppe Multimedia Information Systems der Fakultät für Informatik.


4) Ihr wissenschaftliches Vorbild?
Ein sehr persönliches Vorbild ist wohl Michael Stonebraker (früher UCB, heute MIT), ein Pionier in der Informatik im Bereich Datenbanktechnologie: wegen seiner Fähigkeit, wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen und dies mit einer praktischen Umsetzung zu verknüpfen.

5) Ihr Lieblingsplatz an der Universität Wien?
Bisher der Arkadenhof im Hauptgebäude der Universität Wien – vielleicht findet sich in Zukunft aber doch noch ein Plätzchen in der Währinger Straße 29.

6) Welches Buch liegt zurzeit auf Ihrem Nachtkästchen?
Eine Dissertation. Aber zugegeben, das sollte sich schleunigst ändern und ich sollte dringend wieder einmal in einen guten Buchladen gehen.