Buchtipp des Monats von Renée Schroeder

In ihrem aktuellen Buch "Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen" regt Biochemikerin Renée Schroeder zur Rettung der Welt an. Im Interview erzählt sie mehr darüber und verrät auch ihr derzeitiges Lieblingsbuch. uni:view verlost 3 Bücherpakete zum Thema.

uni:view: Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen". Was haben diese drei miteinander zu tun?
Renée Schroeder: Das Thema des Buches ist kontrolliertes Wachstum. Von 400 vor Christus bis 1600 nach Christus – das sind 2000 Jahre – konnte die Weltbevölkerung nicht wachsen. Dann ab der Zeit der Aufklärung bis Ende des 20. Jahrhunderts ist die Menschheit unkontrolliert gewachsen, sicherlich als Folge der wissenschaftlichen Errungenschaften. Seit den 1960er Jahren nimmt die Fertilität – Anzahl der tatsächlich geborenen Kinder pro Frau – weltweit ab. Ich vergleiche in diesem Buch die Kontrolle des Zellwachstums mit der Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Wichtigste Erkenntnis dieses Buches ist, dass für ein kontrolliertes Wachstum die Bildung der Frauen essenziell ist. Da 2,5 Milliarden Frauen auf der Erde keinen Zugang zu einer Waschmaschine haben, verlieren sie wertvolle Zeit, die ihnen für ihre Bildung fehlt. Deswegen ist es absolut notwendig, dass Frauen nicht mehr diese zeitraubende Tätigkeit verrichten müssen, sondern sich bilden können, um dann die Möglichkeit und Freiheit zu bekommen, ihre Familien zu planen.

uni:view: Wie schlimm steht es Ihrer Meinung nach um die Menschheit? Können wir den Planeten überhaupt noch retten?
Renée Schroeder: Ja, der Planet wird sicherlich noch 500 Millionen Jahre biologisch-kompatible Bedingungen bieten. Die Frage ist, ob Homo sapiens sich vorher eliminiert, wie er wahrscheinlich alle anderen Menschenarten verdrängt hat. Wir Menschen sind uns bewusst geworden, dass wir für unsere Evolution verantwortlich sind. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn wir erkennen, wie Evolution funktioniert und uns flexibel halten, um uns an sich ständig ändernden Rahmenbedingungen anzupassen.

uni:view: Können wir – und wenn ja was – von Bakterien und Zellen lernen?
Renée Schroeder: Von Bakterien und Zellen können wir lernen, wie Wachstum kontrolliert wird und wie Zellen sich an ihre Umwelt anpassen.



GEWINNSPIEL:

Das Gewinnspiel ist bereits verlost. Doch die gute Nachricht: In der Universitätsbibliothek stehen die Bücher interessierten LeserInnen zur Verfügung.

1 x "Von Menschen, Zellen und Waschmaschinen. Anstiftung zur Rettung der Welt" von Renée Schroeder (Residenz Verlag).
1 x "Glück ist was für Augenblicke", Erinnerungen von Christine Nöstlinger (Residenz Verlag).



uni:view:
Welches Buch empfehlen Sie unseren LeserInnen?

Renée Schroeder:
Mein momentanes Lieblingsbuch ist Christine Nöstlingers "Glück ist was für Augenblicke", erschienen im Residenzverlag. Ich habe es gerade erst fertig gelesen.

uni:view:
Fünf Gedanken, die Ihnen spontan zu diesem Buch einfallen?

Renée Schroeder:
Wien und seine "Sozis" im 20. Jahrhundert – das fortschrittliche Wien – eine lebensbejahende mutige Frau – Kinderliteratur vom Feinsten – die Heldin unserer Kinder.

uni:view:
Sie haben den letzten Satz gelesen und schlagen das Buch zu. Was bleibt?

Renée Schroeder:
Glück ist eben etwas für den Augenblick und das meiste muss man selber dafür tun.

Univ.-Prof. Mag. Dr. Renée Schroeder ist Leiterin des Departments für Biochemie und Zellbiologie am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Wien.