Das war Tuppy-Lecture Nr. 5 mit Kurt Wüthrich

Am Montag, 4. März 2017, war Nobelpreisträger Kurt Wüthrich im Rahmen der 5. Hans Tuppy-Lecture zu Gast an der Universität Wien und sprach über dynamische Prozesse in biologischen Makromolekülen. Ein Nachbericht mit Bildern der Veranstaltung im Kleinen Festsaal.

Die mittlerweile 5. Vortrag der alternierend an der ÖAW und der Universität Wien durchgeführten Vortragsreihe "Hans Tuppy-Lectures" war diesmal mit Kurt Wüthrich als Vortragendem von ganz besonderer Bedeutung: Seine Forschung steht in enger Beziehung zu den Arbeiten des Namensgebers der Vortragsreihe. Hans Tuppy ging 1949 als 25-jähriger zu Fred Sanger nach Cambridge, wo es ihm innerhalb von Jahresfrist gelingt, die Aminosäuresequenz der B Kette des Insulins zu erstellen (der spätere zweifache Nobelpreisträger Fred Sanger hatte zuvor die A Kette erarbeitet).


Rektor Heinz W. Engl bei der Begrüßungsrede im voll besetzen Kleinen Festsaal. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)

Zwischen den Proteinforschungen Hans Tuppys in Cambridge und denjenigen von Kurt Wüthrich am berühmten Sripps Research Institute in La Jolla (San Diego) liegen 70 Jahre, in denen auf dem Gebiet der Strukturbiologie bahnbrechende methodische Verbesserungen und Entdeckungen gemacht wurden, die das funktionelle Verständnis komplexerer biologischer Strukturen erst ermöglichten. Eine der wichtigsten dieser methodischen Neuerungen, die Entwicklung der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur von biologischen Makromolekülen in Lösung, geht auf Kurt Wüthrich zurück.


Die Hans Tuppy-Lectures wurden anlässlich des 90. Geburtstags von Hans Tuppy (2.v.l.) von der Universität Wien und der ÖAW begründet. Auch heuer hat Altrektor Tuppy persönlich teilgenommen. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)

Bahnbrechend war auch eine weitere methodische Innovation von Kurt Wüthrich erstmals publiziert im Jahr 1989, und dann im Fachjournal "Science" 1991: Die NMR-Strukturanalyse von Proteinen im wässerigen Milieu, ein Verfahren, welches den in vivo Bedingungen in der Zelle näherkommt. Dieser methodische Durchbruch in der Strukturbiologie eröffnete vielfältige experimentelle Möglichkeiten für vertiefte Untersuchungen von bereits bekannten wichtigen biologischen Makromolekülen.


Dieter Schweizer hielt die Laudatio für Kurt Wüthrich. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)

Das Labor von Kurt Wüthrich und seine Arbeitsgruppen haben seither allein, und auch auf der Basis von Kooperationen, weit mehr als 200 Strukturen von Proteinen und Nukleinsäuren ermittelt, die für die Medizin und die biomedizinische Forschung von Bedeutung sind.


Kurt Wüthrich hielt die 5. Hans Tuppy-Lecture an der Universität Wien. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)

Kurt Wüthrich erhielt 2002 den Nobelpreis für Chemie für die Weiterentwicklung der Methode der Kernmagnetischen Resonanzspektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance, NMR) für Strukturermittlung von biologischen Makromolekülen in Lösung.  Er teilte den Nobelpreis mit John B. Fenn und Koichi Tanaka, die für ihre Arbeiten über Massenspektroskopie von Proteinen ausgezeichnet wurden.


Nach dem Vortrag ging Kurt Wüthrich auf Fragen aus dem Publikum ein. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)

Auf die Frage nach den Veränderungen, insbesondere der Vorteile in seinem Leben durch den Nobelpreis, nennt Kurt Wüthrich an erster Stelle die durch den Preis eröffnete Möglichkeit, sich auch nach der Emeritierung bei hervorragenden Laborbedingungen weiterhin der Grundlagenforschung widmen zu können.


Zum Abschluss bot sich den Gästen noch die Gelegenheit für Austausch und Vernetzung. (© Universität Wien/derknopfdruecker.com)


Kurt Wüthrich ist Cecil H. und Ida M. Green Professor für Strukturbiologie am Scripps-Forschungsinstitut in La Jolla, Kalifornien, USA, und Professor für Biophysik an der ETH Zürich in der Schweiz. Seit 2013 hat er auch eine Professur und Forschungssgruppe am iHuman Institute der Shanghai-Tech University, wo er zurzeit ein neues Institut aufbaut. Sein Forschungsinteresse gilt der molekularen Strukturbiologie und der strukturellen Genomik. Sein Spezialgebiet ist die kernmagnetische Resonanzspektroskopie (NMR, "nuclear magnetic resonance"). Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Kurt Wüthrich mit dem Prix Louis Jeantet de Médecine, dem Kyoto Prize in Advanced Technology, dem Nobelpreis für Chemie und weiteren Preisen, Ehrenmitgliedschaften und Ehrenpromotionen ausgezeichnet.