6. Wiener NobelpreisträgerInnenseminar

Von Dienstag, 11. Oktober, bis Donnerstag, 13. Oktober 2011, findet bereits zum sechsten Mal das NobelpreisträgerInnenseminar in Wien statt. Die heurigen Laureaten sind die drei Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch, Gerardus 't Hooft und George F. Smoot. Im Interview mit uni:view spricht Initiator und Organisator Helmuth Hüffel – selbst Physiker an der Universität Wien – über die Hintergründe der hochkarätigen Veranstaltung und die Faszination Nobelpreis.

uni:view: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Wiener NobelpreisträgerInnenseminar ins Leben zu rufen?
Helmuth Hüffel: Vor rund acht Jahren habe ich ein Seminar der Personalentwicklung zum Thema Sponsoring und Projektmanagement besucht und als Abschlussaufgabe sollten wir ein fiktives Projekt durchspielen, um all das anzuwenden, was wir gelernt haben. Meine Projektidee bestand darin, ein Seminar mit NobelpreisträgerInnen durchzuführen. Und aus der Fiktion wurde dann Realität.

uni:view: Was sind die Herausforderungen in der Organisation des Seminars?
Hüffel: Die zu bewältigenden Hürden ähneln sich von Seminar zu Seminar. Eine besondere Herausforderung ist es, die Gelder bereits zu einem Zeitpunkt aufzutreiben, wo man noch keine Zusagen der Laureaten hat. Wir haben uns auch dazu entschlossen – entsprechend der verschiedenen Bereiche der Nobelpreisstiftung – jedes Jahr einen anderen Themenschwerpunkt zu wählen. Dabei habe ich sozusagen mein gesichertes Gelände der Physik verlassen und mir mit Hilfe externer Expertise auch auf anderen Gebieten Kompetenz verschafft. Eine ganz besondere Herausforderung stellt für mich das NobelpreisträgerInnenseminar 2012 dar, das zum ersten Mal dem Schwerpunkt Literatur gewidmet ist. Schon jetzt arbeiten mein Team und ich an der Konzeption.

uni:view: Welches Publikum spricht das NobelpreisträgerInnenseminar an?
Hüffel: Zunächst haben wir das Seminar für eine interessierte Öffentlichkeit konzipiert. Das erste Seminar 2006 – übrigens auch zum Schwerpunkt Physik – war in Kooperation mit den Wiener Vorlesungen geplant. Da aber der Wunsch der wissenschaftlichen Community groß war, das Potenzial der NobelpreisträgerInnen über eine öffentliche Vorlesung hinaus zu nutzen, haben wir schon im zweiten Jahr auch an den Universitäten Fachveranstaltungen organisiert. So ist das Seminar von Jahr zu Jahr gewachsen. Neben der interessierten Öffentlichkeit und den WissenschafterInnen zeigten sich auch zusehends Führungskräfte aus dem Wirtschafts- und Industriebereich an dem Know-how der NobelpreisträgerInnen interessiert. So organisieren wir seit einigen Jahren auch für diese Zielgruppe einen eigenen Abend.

uni:view: Wie kann man sich den Auswahlprozess der Laureaten vorstellen?
Hüffel: Eine nicht unwesentliche Rolle spielen dabei die Empfehlungen von KollegInnen der Universität Wien. So habe ich zum Beispiel heuer eine Umfrage unter WissenschafterInnen an der Fakultät für Physik durchgeführt und gleichzeitig Empfehlungen vom Dekan der Fakultät für Physik an der Technischen Universität Wien eingeholt. Zudem habe ich auswärtige BeraterInnen aus dem Scientific Advisory Board gefragt. Aus all diesen eingegangen Vorschlägen haben mein Team und ich eine Reihung vorgenommen und Anfragen gestellt. Dabei ist man natürlich mit vielen Absagen konfrontiert, da der Terminplan der Laureaten sehr dicht ist. So hat sich dann, doch etwas zufällig, die heurige Kombination der Physik-Nobelpreisträger ergeben.

uni:view: Mittlerweile sind die NobelpreisträgerInnen drei Tage in Wien und halten neben einem öffentlichen Vortrag auch mehrere Fachvorträge. Wie können diese doch recht kurzen Zusammentreffen mit den Laureaten etwas bewirken?
Hüffel: Ich sehe diese kurze, aber intensive Zeit, die die Laureaten in Wien verbringen sehr positiv. Dabei muss ich immer an den Physiker Stephen Hawking denken, den ich vor 25 Jahren, als ich als CERN-Fellow in Genf tätig war, getroffen habe. Von diesem ganz kurzen Kontakt zehre ich noch heute, von dem Gefühl mit dabei gewesen zu sein und die Ausstrahlung dieser Persönlichkeit erlebt zu haben. Ich glaube, dass unsere Veranstaltung genau durch dieses "Erleben" interessanter Persönlichkeiten gewinnt. Alle bisherigen LaureatInnen haben diese Faszination, diese Begeisterung und dieses Aufgehen in der Wissenschaft ausgestrahlt.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es natürlich, eine Zusammenarbeit zwischen unseren Universitäten und Forschungsinstitutionen und den Elite- und Spitzeninstituten, an denen die NobelpreisträgerInnen arbeiten, herzustellen. Das ist in diesen drei Tagen gut möglich. (td)


Sechstes Wiener NobelpreisträgerInnenseminar
Dienstag, 11. Oktober bis Donnerstag, 13. Oktober 2011
Veranstaltungsorte und Programm


Fachvorträge und Diskussion an der Universität Wien
Mittwoch, 12. Oktober 2011, 15 Uhr bis 17 Uhr
Hauptgebäude Universität Wien, Großer Festsaal
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien

Eröffnung:
Helmuth Hüffel, Präsident des Vereins Wiener NobelpreisträgerInnenseminar
Heinz W. Engl, Rektor der Universität Wien

Vorträge:
15:15 Uhr bis 16:10 Uhr Theodor Hänsch "Precision Spectroscopy of Atomic Hydrogen"
16:10 Uhr bis 17 Uhr Gerardus ‘t Hooft "Black Hole Complementarity and the Hierarchy Problem"

Vorträge und Diskussion in Englisch, Eintritt frei, ohne Voranmeldung


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