Verhaltensforscher Kurt Kotrschal feiert Sechziger

Von Fischen über Graugänse und Raben hat sich Kurt Kotrschal in den vergangenen Jahren "den Stammbaum nach oben gearbeitet", wie er selbst sagt, und ist nun bei den Wölfen gelandet. Am 5. Mai 2013 feierte der Verhaltensbiologe der Universität Wien seinen 60. Geburtstag.

Forschung auf hohem internationalem Niveau zu betreiben und diese auch publikumswirksam und attraktiv zu präsentieren: Das ist Kurt Kotrschal, dem stv. Leiter des Departments für Verhaltensbiologie der Universität Wien, gelungen. Mit der Core Facility KLF für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien in Grünau im Almtal (OÖ) und dem "Wolfsforschungszentrum" in Ernstbrunn (NÖ) hat er zwei attraktive verhaltensbiologische Einrichtungen aus- und aufgebaut.

Sein faszinierendes Hauptforschungsobjekt ist der Wolf, für Kotrschal ein "Spiegel für unsere eigene Verfasstheit". Wenn man über die "Conditio Humana besser Bescheid wissen will, arbeitet man besser mit dem Wolf als mit manchem Affen", meinte er, als ihn der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zum "Wissenschafter des Jahres 2010" gekürt hat.

Anfang mit weniger leuchtenden Themen


Der am 5. Mai 1953 in Linz geborene Kotrschal hat an der Universität Salzburg Biologie studiert – "weil nichts anderes in Frage kam", wie er unter Hinweis auf sein Interesse an dem Fach betont. Dabei standen am Beginn seiner Karriere noch wenig attraktiv erscheinende Themen im Mittelpunkt: Seine Diplomarbeit (1979) schrieb er über Kälte-Fixierung für die Mikroskopie, seine Doktorarbeit (1981) über die Gehirnstruktur einer Schleimfischart.

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Kotrschal – unterbrochen von US-Aufenthalten – als Vertragsassistent am Institut für Zoologie der Uni Salzburg und habilitierte sich dort 1987. Zwei Jahre später ging er dann mit einem Schrödinger-Stipendium an die University Colorado (USA). Dort ereilte ihn der Anruf aus der Heimat, ob er nach dem Tod von Konrad Lorenz (1989) nicht die Leitung von dessen Forschungsstelle in Grünau im Almtal übernehmen wolle. Verbunden damit war eine außerordentliche Professur an der Universität Wien. Hier lehrt und forscht er auch heute noch, als Professur für Zoologie mit besonderer Berücksichtigung von Morphologie, Ökologie und Neurobiologie.

Im "wissenschaftlichen Pfadfinderlager"


Seit mehr als 20 Jahren leitet Kotrschal die Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau, die 2012 als Core Facility KLF für Verhaltens- und Kognitionsbiologie in die Universität Wien integriert wurde und u.a. vom Land Oberösterreich sowie dem "Verein der Förderer der Konrad Lorenz Forschungsstelle" unterstützt wird. Einmal hat er sie als "wissenschaftliches Pfadfinderlager" bezeichnet – und als "Feldstation, wo nicht immer alles perfekt ist und alle improvisationsfreudig sein müssen".

Kreative Drittmittel-Einwerbung

Diese Improvisationsfreudigkeit zeigt sich auch im finanziellen Bereich: Aus der Not öffentlicher Mittel hat Kotrschal eine Tugend gemacht und in den vergangenen Jahren mehr als drei Mio. Euro an Drittmitteln eingeworben.

Auch beim Wolfsforschungszentrum, das Kotrschal gemeinsam mit Friederike Range und Zsofia Viranyi 2008 zunächst "ohne einen Euro angefangen" hat, versucht der Biologe durch Sponsoren und Spenden Geld für die Forschungsarbeiten aufzustellen. Die drei ForscherInnen scheuten dabei selbst vor persönlicher Verschuldung nicht zurück, um das Projekt zu realisieren, entwickeln aber durchaus Kreativität beim Fund-Raising. So kann man etwa gegen Spenden Wolfsgeheul als Klingelton herunterladen oder Managementkurse im Wolfsgehege buchen.

Sinn für die Öffentlichkeit

Über die Jahre konnten Kotrschal und sein Team mit ihrer Arbeit viel wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit erregen – etwa mit dem spektakulären Flug- und Zugrouten-Unterricht für Waldrappen samt Alpenüberquerung, angeführt von menschlichen Zieheltern im Ultraleicht-Flugzeug. Nicht nur mit diesem Projekt schafften es die VerhaltensforscherInnen um Kotrschal in die TV-Primetime, auch der Aufbau des "Wolf Science Center" in Ernstbrunn wurde in einer dreiteiligen "Universum"-Sendung dokumentiert.

Angetrieben wird Kotrschal von der wissenschaftlichen Neugier, für Hobbys bleibe da keine Zeit. Dafür nimmt er die Popularisierung seiner wissenschaftlichen Arbeit ernst: So hat die von ihm geleitete Forschungsgruppe "Mensch-Tier-Beziehung" der Universität Wien 2012 eine Vortragsreihe über "Highlights der Mensch-Tier-Beziehung" ins Leben gerufen. Sein ebenfalls im Vorjahr erschienenes Buch "Wolf - Hund - Mensch", in dem er die Geschichte der jahrtausendealten Beziehung zwischen Mensch und Wolf bzw. zwischen Mensch und Hund beleuchtet, wurde Anfang dieses Jahres als eines der besten Wissenschaftsbücher 2013 ausgezeichnet. (APA/red)