Wissenschaftliche Vielfalt schützen

Gruppe von Wissenschafter*innen

Im Zuge der COVID-19-Pandemie stehen Wissenschafter*innen vor großen Herausforderungen, weil sie Forschung und Lehre neu ausrichten, unterbrechen oder gar ausfallen lassen müssen. Aktuell veröffentlicht die Fachzeitschrift "Nature Ecology and Evolution" einen internationalen Aufruf, der die prekäre Situation vieler Wissenschafter*innen aufzeigt und aktive Maßnahmen zum Schutz wissenschaftlicher Vielfalt fordert.

In der aktuellen Situation sind besonders Wissenschafter*innen betroffen, die auf befristete Einkommen oder Genehmigungen angewiesen sind, mehr Verantwortung für Verwaltung oder Familienpflege tragen oder benachteiligten Gesellschaftsgruppen angehören: "Dies betrifft die meisten Jungwissenschafter*innen – insbesondere Frauen und Minderheiten", sagt Bea Maas, Hauptautorin von der Universität Wien. Laut aktueller EU-Berichte verdienen Frauen etwa in der Forschung immer noch 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen beim Ausüben derselben Funktionen, während Einkommenszahlen zu diskriminierten Minderheiten noch weitgehend fehlen.

Essentielle Vielfalt

"Die Krise gefährdet aber nicht nur viele wissenschaftliche Stellen und internationale Kooperationen, sondern auch die Vielfalt, die Forschung nachweislich produktiver, innovativer und effizienter macht", so Maas. Vielfalt, Gleichberechtigung und Eingliederung fördern innovative Perspektiven, die ebenso international sind, wie die Umweltprobleme und Herausforderungen der heutigen Zeit. "Es erfordert mutiges Handeln der gesamten Wissenschaftsgemeinschaft, um Lösungen für Bedrohungen wie den globalen Klimawandel und das Artensterben zu entwickeln", betont Maas.

Co-Autorin Anne Toomey von der New Yorker Pace Universität fasst die Empfehlungen des internationalen Autorenteams zusammen: "Wir appellieren an die internationale wissenschaftliche Führung in den Arbeitsplätzen, Institutionen und Ämtern die jahrzehntelangen Bemühungen zum Aufbau einer integrativen wissenschaftlichen Gemeinschaft durch verbesserte Gleichstellungsmaßnahmen, gezielte Förderungen und erhöhte Staatshilfen zu schützen". Die Autor*innen betonen, dass diese geförderte Vielfalt der Schlüssel zum Verständnis und Schutz intakter und widerstandsfähiger Ökosysteme ist, auf denen menschliche Gesundheit und Wohlergehen aufbauen.

Publikation in "Nature Ecology and Evolution"
Maas et al. (2020) "Academic Leaders must support inclusive scientific communities during COVID-19".
DOI: 10.1038/s41559-020-1233-3

Wissenschaftlicher Kontakt

Dr. Bea Maas

Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
Universität Wien
1030 - Wien, Rennweg
+43 650 4200494
bea.maas@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

Pressebüro und stv. Pressesprecherin
Universität Wien
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