"The History Boys": Studierende spielen ein Theaterstück zur Bildungsdebatte

Welchen Auftrag hat die Schule? Soll sie die junge Leute darauf trainieren, Prüfungen möglichst mit Bestnoten abzulegen oder soll sie die menschlichen Errungenschaften – Kultur, Poesie, Literatur – in all ihren Facetten vermitteln? Genau diesen didaktischen Gegensatz greift die von Studierenden des Institutes für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien gegründete Theatergruppe "Students Acting (not only) Shakespeare Society" (SASS) in ihrer neuen Produktion auf. Am 9., 10. und 11. Jänner bringt SASS "The History Boys" von Alan Bennett im Hörsaal B des Uni Wien Campus (Hof 2, Spitalgasse 2, 1090 Wien) in englischer Sprache zur Aufführung.

Die "Students Acting (not only) Shakespeare Society", deren Aktivitäten von der Universität Wien unterstützt werden, hat nach fünf Shakespeare-Werken erstmals ein modernes Theaterstück gewählt. Mit "The History Boys" leistet SASS einen Diskussionsbeitrag zur aktuellen Bildungsdebatte, in dem die Hauptdarsteller*innen im Laufe der Handlung zwei konträre didaktische Unterrichtsmodelle ausverhandeln. Das preisgekrönte Theaterstück, das 2004 erstmals zur Aufführung kam, wurde 2006 verfilmt.

It’s not education. It’s culture.
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Ist der Spruch, der im lateinischen Original gerne über den Eingängen unserer Gymnasien zu lesen steht, heute noch gültig? Im angloamerikanischen Raum, in dem Schüler*innen standardisierte Examen zu absolvieren haben, um an einer Universität aufgenommen zu werden, schon länger nicht mehr. Denn das Fitmachen für den weiteren Bildungsschritt hat Priorität: Die Schüler*innen werden auf die universitären Aufnahmeprüfungen hintrainiert. Da bleibt wenig Zeit, um auf individuelle Interessen, Fähigkeiten und Sensibilitäten einzugehen. Auch in Österreich verlagert sich der Fokus im Bildungssystem vom "Lernen fürs Leben" auf "optimale Prüfungsvorbereitung".

Der Inhalt von "The History Boys"
Die Schülerinnen (in der SASS-Fassung handelt es sich eigentlich um "The History Girls") einer englischen Grammar School kehren nach ihrer mit Auszeichnung bestandenen Matura für ein weiteres Semester an ihre alte Schule zurück, um sich auf die Aufnahmeprüfungen an den Prestigeuniversitäten Oxford und Cambridge vorzubereiten. Der Schuldirektor engagiert eine junge Lehrerin, um die Kandidatinnen mit neuen, unorthodoxen Methoden für diese Herausforderung zu wappnen. Ihr Englischlehrer versucht hingegen, den Schülerinnen alles das mitzugeben, was ihnen auch nach der Prüfung noch bleibt – Poesie, Literatur, Kultur als Schutzschild vor der "akademischen Versumpfung". Innerhalb dieses Semesters wachsen die Schülerinnen über sich selbst hinaus und erfahren auch viel Menschliches, z.B. dass Lehrer*innen nicht allwissend und unangreifbar sind.

Students Acting (not only) Shakespeare Society
Im Sommersemester 2017 initiierte die Erasmusstudentin Sophia Wise die Aufführung von "Romeo und Julia" am Campus der Universität Wien. Die Theatergruppe "Students Acting Shakespeare Society" (SASS) war damit am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien gegründet und brachte von da an jedes Semester ein Shakespeare-Stück zur Aufführung. Im Laufe der Zeit kamen Projekte dazu, die im Rahmen von Lehrveranstaltungen abgewickelt werden, und eben auch zeitgenössische Stücke zur Aufführung, die nicht von William Shakespeare verfasst wurden – daher die Ergänzung im Namen der Theatergruppe: Students Acting (not only) Shakespeare Society.

Zurzeit besteht die SASS-Gruppe aus über 30 aktiven Mitgliedern – sowohl auf als auch hinter der Bühne. Die Produktion von "The History Boys" leitet Teresa Distelberger, die Englisch und Deutsch an der Universität Wien studiert. Die SchauspielerInnen-Gruppe besteht sowohl aus Gründungsmitgliedern, die SASS über die Jahre treu geblieben sind, als auch aus neuen Mitgliedern. Interessierte, die mitmachen wollen, sind jederzeit willkommen.

"The History Boys" by Alan Bennett
Zeit: 9., 10., 11. Jänner 2020 (Do, Fr, Sa), 19:00 Uhr
Ort: Hörsaal B, Uni Wien Campus, 1090 Wien, Spitalgasse 2, Hof 2
Spieldauer: 2 h 15 min, 1 Pause

Aufführung in englischer Sprache. Beim Einlass werden kurze Inhaltsangaben in englischer und deutscher Sprache ausgegeben werden.  

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Mag. Veronika Schallhart

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