Solidarität in Zeiten der Krise?

Neues bilaterales Forschungsprojekt zu sozio-ökonomischem Wandel und politischen Orientierungen in Österreich und Ungarn

Die anhaltende Wirtschaftskrise wirkt sich gravierend auf die Lebensbedingungen der BürgerInnen aus – und damit auch auf deren politische Orientierungen. Das Forschungsprojekt SOCRIS beschäftigt sich mit dem sozio-ökonomischen Wandel in Österreich und Ungarn und insbesondere seinen Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Politik und Gesellschaft: Wie ist es zu verstehen, dass ein Teil der Bevölkerung nationalistische, fremdenfeindliche politische Positionen unterstützt, während ein anderer Teil in der Flüchtlingshilfe aktive transnationale Solidarität zeigt? Darüber und über den Aufstieg von rechtspopulistischen Parteien diskutieren ExpertInnen wie Gudrun Hentges von der Universität Köln bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag, 27. Februar 2017.

SOCRIS ist ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Projekt der Universität Wien, der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA). Es baut auf den Ergebnissen des europäischen Forschungsprojekts "Socio-Economic Change, Individual Reactions and the Appeal of the Extreme Right" (SIREN) auf, das zwischen 2001 und 2004 durchgeführt wurde und u.a. zeigt, wie Veränderungen der Arbeitswelt und der Lebensbedingungen zur Attraktivität der populistischen und extremen Rechten in Europa beigetragen haben.

Als Follow-up-Studie wird SOCRIS die gegenwärtige Situation und die Veränderungen seit Ausbruch der Krise untersuchen – nicht nur die Unterstützung für die populistische und extreme Rechte, sondern auch die Stärkung demokratischer politischer Orientierungen. "Die subjektive Verarbeitung von Umbrüchen und sozialem Wandel geht nämlich nicht zwangsläufig in Richtung Autoritarismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit", erklärt der Projektleiter Jörg Flecker vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Viele Menschen äußern demokratischen und universell-solidarischen Protest und schließen sich progressiven sozialen Bewegungen an. Ein Beispiel hierfür war die breite zivilgesellschaftliche Unterstützung im Zuge der Flüchtlingsbewegungen in Österreich und Ungarn im vergangenen Jahr. "In diesen gegensätzlichen Reaktionen drückt sich eine wachsende Spannung zwischen nationalistischen, ausgrenzenden Formen politischer Orientierung einerseits und inklusiver, transnationaler Solidarität andererseits aus", so Flecker.

Für die Untersuchung werden Österreich und Ungarn herangezogen, die bereits Teil der SIREN-Studie waren. "Österreich und Ungarn sind Länder, in denen die populistische radikale Rechte eine große Bedeutung erlangt hat, die jedoch sehr unterschiedlich von der Krise betroffen waren", erklärt Julia Hofmann, Mitglied des Projektteams. Der Zeit- und Ländervergleich ermöglicht ein tieferes Verständnis der komplexen Beziehung zwischen sozialem Wandel und politischer Subjektivität.

Bei der Kick-off-Veranstaltung des Projektes am 27. Februar sprechen ExpertInnen wie Manuela Caiani (SNS Florenz, Italien), István Gracjzjar (King Sigismund University Budapest, Ungarn), Gudrun Hentges (Universität zu Köln, Deutschland) und Dietmar Loch (Université de Lille, Frankreich) zum Thema "Aufstieg rechtspopulistischer bzw. -extremer Parteien und Bewegungen in Europa". Im Zentrum der Diskussionen stehen die folgenden Fragen: Was sind die Ursachen für die wachsende Zustimmung zu menschenfeindlichen Weltbildern? Lässt sich ein Zusammenhang zwischen der mittlerweile knapp zehn Jahre dauernden Krise (in) der Europäischen Union und dem Aufstieg rechtspopulistischer bzw. -extremer Parteien und Bewegungen herstellen?

Weitere Informationen

Kick-off-Veranstaltung des Forschungsprojektes SOCRIS: Unaufhaltsame Krisengewinner? Die extreme und populistische Rechte in Europa
Zeit: Montag, 27. Februar 2017, 17.30 – 20.00 Uhr
Ort: Skylounge der Universität Wien, Oskar-Morgenstern-Platz 1, 1090 Wien

Programm

Wissenschaftlicher Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Jörg Flecker

Institut für Soziologie
Universität Wien
1090 - Wien, Rooseveltplatz 2
+43-1-4277-48 142
joerg.flecker@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

Pressesprecherin
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 33
+43-664-60277-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at