Macht der Gewohnheit: Pre-Performance-Routine bringt Vorteile für Athlet*innen

Eingespielte Vorstartroutinen lassen Hobby- und Spitzensportler*innen besser abschneiden

Viele hervorragende Sportler*innen haben eine Routine, die sie unmittelbar vor einer sportlichen Aufgabe ausführen. Aber helfen diese Angewohnheiten tatsächlich, ihre Leistung zu steigern? Anton Rupprecht und Ulrich Tran von der Fakultät für Psychologie und der Sportpsychologe Peter Gröpel vom Institut für Sportwissenschaft haben nun Daten über verschiedene Sportarten und Leistungsniveaus hinweg analysiert. Die Ergebnisse belegen, dass Routinen für Anfänger*innen wie auch Spitzensportler*innen Vorteile bringen. Die Studie erscheint in der International Review of Sport and Exercise Psychology.

Unter Pre-Performance-Routine (PPR) versteht man eine Reihe aufgabenrelevanter Gedanken und Handlungen, die Athlet*innen vor sportlichen Leistungen systematisch durchführt. Michael Jordan, einer der besten Basketballspieler aller Zeiten, war für eine solche Routine bekannt: Vor einem Freiwurf nahm er eine schulterbreite Haltung ein, drehte den Ball in seinen Händen, ließ ihn dreimal aufspringen, drehte den Ball erneut, fixierte den Basketballkorb und führte dann seinen Wurf aus. "Routinen wie die von Jordan können die Konzentration steigern und helfen dabei, sich in einen für die Leistungsfähigkeit optimalen mentalen Zustand zu versetzen", erklärt Peter Gröpel, Letztautor der Studie und Sportpsychologe am Institut für Sportwissenschaft. "Es scheint ein Vorteil zu sein, eine PPR zu nutzen. Wir setzen diese Intervention oft im Feld ein."

Aber wie effektiv sind PPRs, welche Art von Routine funktioniert am besten und welche Athlet*innen profitieren am meisten? Um diese Fragen zu beantworten, sammelte und analysierte das Forschungsteam Daten von 15 verschiedenen Sportarten und 800 Athlet*innen. Ihre Leistung verbesserte sich deutlich, darüber hinaus übertrafen Sportler*innen mit einer PPR ihre Kolleg*innen, die keine derartigen Techniken anwandten. Die positiven Effekte wurden sowohl bei Laboraufgaben als auch in echten Wettkämpfen beobachtet, sowie in Situationen mit und ohne Leistungsdruck. Sie waren unabhängig von Alter, Geschlecht und Leistungsklasse der Athlet*innen, der Art der PPR und der Zeit, die für deren Erlernen erforderlich war. Mit anderen Worten: Routinen funktionierten für die meisten Sport treibenden Menschen.

"Wir konnten belegen, dass die Anwendung einer PPR die Leistung verbessert, egal wie einfach oder komplex die Routine ist", erklärt Gröpel. "Es ist bei jeder sportlichen Aufgabe von Vorteil, die ein paar Sekunden Vorbereitungszeit ermöglicht, wie zum Beispiel der Aufschlag im Tennis oder das Putten im Golfen. Wir konnten positive Effekte bei einer Vielzahl sportlicher Aufgaben beobachten, über Altersklassen und Fertigkeitslevel hinweg sowie für beide Geschlechter." Diese Ergebnisse können Sportler*innen, Trainer*innen und Sportpsycholog*innen anspornen, PPRs als eine Art Leistungsintervention zu erlernen und anzuwenden. Anfänger*innen könnten beim Erlernen komplexer motorischer Aufgaben von derartigen Rutinen profitieren, während Spitzensportler*innen dadurch ihre Wettkampfleistungen optimieren könnten.

Publikation in International Review of Sport and Exercise Psychology:

Rupprecht, A., Tran, U.*, & Gröpel, P.* (2021) The effectiveness of pre-performance routines in sports: a meta-analysis. *Shared last authorship. 

Wissenschaftlicher Kontakt

Ass.-Univ.-Prof. Dr. Peter Gröpel

Institut für Sportwissenschaft
1150 - Wien, Auf der Schmelz 6a
+43-1-4277-48820
peter.groepel@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

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