"Exposome Austria": Große Forschungsinitiative zum Einfluss von Fremdstoffen auf die Gesundheit

Fakultät für Chemie der Uni Wien koordiniert nationale Beiträge zu EU-Projekt

Der Mensch ist ab dem Moment der Zeugung Schadstoffen und Umweltfaktoren ausgesetzt, die die Gesundheit maßgeblich beeinflussen können. Diese nicht-genetischen, externen Einflüsse wie etwa Umweltkontaminanten, Lebensmittelinhaltsstoffe, Medikamente und Weichmacher, und auch deren kombinierte toxischen Effekte umfassend zu beschreiben, ist Ziel der Exposomforschung. Mit Jahresbeginn startete dazu die "Exposome Austria Forschungsinfrastruktur", koordiniert von der Fakultät für Chemie der Universität Wien gemeinsam mit den Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck sowie dem Umweltbundesamt als Partnern. Exposome Austria ist außerdem Teil der europäischen Forschungsinitiative EIRENE (Environmental Exposure Assessment in Europe). 

"Wir gehen heute davon aus, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens mindestens 10.000 bis 100.000 Schad- und Fremdstoffen ausgesetzt ist, die vor allem über die Nahrung, aber auch über Wasser und Luft aufgenommen werden", sagt Exposome Austria-Koordinator Benedikt Warth vom Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie der Universität Wien.

Neue Datensätze und Analyseansätze

Hochauflösende Analysemethoden wie die Massenspektrometrie und neue bioinformatische Verfahren zum Umgang mit Big Data ermöglichen erstmals, die Exposition gegenüber Umweltstoffen umfassend zu erheben und Wechselwirkungen systematisch zu untersuchen. Exposome Austria wird neue Daten über die Exposition von Fremdstoffen in bisher unbekannter Dimension sammeln und neue Ansätze für ihre Auswertung entwickeln. Insbesondere werden Schadstoffe, denen Kinder bereits im Mutterleib oder während der ersten Lebensjahre ausgesetzt sind, und ihre möglichen Auswirkungen im späteren Leben systematisch untersucht.

"Auch bisher unbekannte kombinatorische Effekte, die beim Zusammentreffen von verschiedenen Fremdstoffen wie Medikamenten oder Lebensmittelverunreinigungen im Körper auftreten können, werden durch die neu entwickelten Technologien greifbar", sagt der Forscher. Als Beispiele für solche "Cocktail-Effekte" sind etwa die Industriechemikalie Bisphenol A und das Pflanzenöstrogen Genistein, die beide mit dem menschlichen Hormonsystem, sowie mit Krebstherapien in Wechselwirkung stehen können, bekannt.

"Unsere Vision geht aber über die Erforschung von Zusammenhängen zwischen Exposition und Krankheitsrisiko hinaus", so Warth: "Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass die Belastung der wirklich kritischen Einflüsse minimiert wird, und so personalisierte Prävention und die Verminderung chronischer Krankheiten unterstützen."

Junges, aufstrebendes Forschungsfeld

"Exposome Austria ist eine große Chance, die nationale Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Chemie, Umwelt und Medizin im Bereich des expanierenden Exposom-Forschungsfeldes zu intensivieren und langfristig wichtige Erkenntnisse in gesundheitspolitische Fragestellungen einfließen lassen zu können", so der Dekan der Fakultät für Chemie der Universität Wien, Bernhard Keppler.

Die Beteiligung von Exposome Austria an der europäischen Forschungsinitiative EIRENE wurde durch das Engagement der beteiligten Partner sowie des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung ermöglicht. EIRENE wiederum ist in das EU-Programm des European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI) eingebettet. "Es freut uns sehr, dass Österreich in diesem strategischen EU-Leuchtturmprojekt ein zentraler Partner ist und in der zukunftsweisenden Exposomforschung als starker Global Player wahrgenommen wird", heißt es von Seiten des Wissenschaftsministeriums anlässlich des Starts von Exposome Austria

Exposome Austria als Teil eines EU-Projekts

Exposome Austria ist das nationale Forschungskonsortium von EIRENE, einer europäischen Großforschungsinfrastruktur, und umfasst in Österreich Forscher*innen der Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Innsbruck sowie des Umweltbundesamtes und weitere strategischer Allianzen (BBMRI.at, eLTER, ISOtopic Solutions). In der ESFRI-Infrastruktur EIRENE (Environmental Exposure Assessment in Europe) sind insgesamt rund 50 Forschungseinrichtungen aus 17 Ländern beteiligt. EIRENE ist eine von elf ESFRI-Infrastrukturen, die das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen in seine Roadmap 2021 aufgenommen hat. Diese wurde im Dezember unter slowenischer EU-Ratspräsidentschaft vorgestellt.

Die offizielle Launch-Veranstaltung von Exposome Austria ist am 31. Mai 2022 an der Universität Wien geplant, in Anwesenheit von Vertreter*innen aller Partnerinstitutionen sowie internationaler Vortragsgäste.  

Wissenschaftlicher Kontakt

Ass.-Prof. Dr. Benedikt Warth

Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie
Universität Wien
1090 - Wien, Währinger Straße 38
+43-1-4277-708 06
+43-664-602 77-708 06
benedikt.warth@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Universität Wien
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 33
+43-664-60277-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at