Cannabis – positive medizinische Wirkung durch klinische Studien bestätigt

Internationales Symposium zur pharmazeutischen und medizinischen Nutzung von Hanf an der Universität Wien

Die Wissenschaft gewinnt nicht nur ständig neue Erkenntnisse über die Wirkung der traditionellen Arzneipflanzen, auch neue Pflanzenwirkstoffe halten Einzug in die Medizin. Bereits im Frühjahr 2018 kürte die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) Cannabis sativa zur Arzneipflanze des Jahres. Ausschlaggebend hierfür seien Kriterien, wie neue Indikationsgebiete, die Bedeutung in Pharmazie und Medizin oder ein Österreichbezug, so der Präsident der HMPPA, Hermann Stuppner. Am 15. November setzen sich nun internationale PharmazeutInnen und MedizinerInnen im Rahmen eines von der HMPPA und der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung (GA) organisierten wissenschaftlichen Symposiums mit der Vielfalt an pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen der Pflanze auseinander, die in der medizinischen Anwendung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Kulturpflanze mit vielen Anwendungsmöglichkeiten
Hanf (Cannabis) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Die Unterart Cannabis sativa ssp. sativa wird in Österreich unter anderem als Faserhanf genutzt. „Aufgrund ihres Gehaltes an Tetrahydrocannabinol (THC) darf Cannabis sativa für medizinische Zwecke nur unter streng kontrollierten Bedingungen der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Gewächshäusern kultiviert werden“, führt Chlodwig Franz, Vizepräsident der HMPPA, aus.

Hochwirksame Inhaltsstoffe
Cannabis sativa enthält in den weiblichen Blüten mehr als 100 Cannabinoide (Terpenphenole), welche bisher nur in Cannabis nachgewiesen wurden. Daneben findet man auch noch ätherisches Öl sowie Flavonoide, Zucker und 500 weitere Inhaltsstoffe. Das am besten untersuchte, psychoaktive Cannabinoid ist Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC). Für Cannabidiol (CBD), ein nicht halluzinogenes Cannabinoid, wurden unter anderem entzündungshemmende, anti-psychotische und anti-konvulsive Wirkungen nachgewiesen. "THC und CBD besitzen ein unterschiedliches Wirkspektrum und können bei bestimmten Beschwerdebildern positive medizinische Wirkungen erzielen, welche bereits durch klinische Studien mit hoher Evidenz belegt wurden", erklärt Rudolf Bauer, Vizepräsident der HMPPA.

Medizinische Einsatzgebiete
"Partialsynthetisches THC ist unter der Bezeichnung Dronabinol in Österreich seit 2004 rezeptierbar. Seit 2015 ist auch das aus Cannabisextrakt isolierte THC (Dronabinol) ärztlich verschreibungsfähig. Einsatzgebiete sind vor allem Tumorschmerzbehandlung und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin, Chemotherapie-assoziierte Übelkeit, Magersucht bei Tumor- und AIDS-Patienten, Spastik bei Multipler Sklerose sowie Therapie-refraktäre chronische zentrale und periphere neuropathische Schmerzen", erläutert Hans Georg Kress von der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerzmedizin der Medizinischen Universität/AKH Wien. "Die am besten untersuchten Indikationen für CBD sind frühkindliche refraktäre Epilepsien, kindliche Schizophrenie sowie die Vorbeugung von Graft-versus-Host-Reaktionen nach Knochenmarkstransplantationen. Auch die Schizophrenie bei Erwachsenen könnte eine sinnvolle Indikation darstellen. Die schmerzlindernde Wirkung von CBD ist dagegen sehr gering".

Da die Zusammensetzung der Cannabis-Pflanze großen Schwankungen unterliegt, ist auch die Qualität der Droge hoch variabel. Im medizinischen Bereich werden daher vorwiegend Reinsubstanzen eingesetzt. Die rechtliche Situation der Nutzung von Cannabis – also Pflanzenteilen und Zubereitungen der Pflanze – ist in der österreichischen Suchtmittelgesetzgebung detailliert geregelt. "Durch eine Ausnahmeregelung ist der medizinische Einsatz von cannabisbasierten Arzneimitteln  - nicht jedoch von Drogenhanf - erlaubt. Mit Hilfe von Reinsubstanzen ist eine kontrollierte therapeutische Anwendung der Haupt-Wirkstoffe von Cannabis sativa bereits möglich", erläutert Brigitte Kopp, Vizepräsidentin der HMPPA und Pharmakognostin an der Universität Wien.

Cannabis: phytochemical, pharmacological, and clinical evidence
Zeit: Donnerstag, 15. November 2018, 9:00 – 17:30
Ort: Kleiner Festsaal, Universität Wien, 1010 Wien, Universitätsring 1

Die Teilnahme am Symposium ist für JournalistInnen kostenlos.
Akkreditierung für JournalistInnen bis 12. November per E-Mail an: office@hmppa.at

Wissenschaftlicher Kontakt

Univ. Prof. i.R. Mag. Dr. Dr. h. c. Brigitte Kopp

Department für Pharmakognosie
Universität Wien
1090 - Wien, Althanstraße 14
+ 43-1-4277-559 71
brigitte.kopp@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Ursula Gerber

Dekanat der Fakultät für Lebenswissenschaften
Universität Wien
1090 - Wien, Althanstraße 14
+43 1 4277 50 009
M +43-664-60277-50009
ursula.gerber@univie.ac.at

Stephan Brodicky

Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 41
+43-664-60277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at