Biologicum Almtal

Almtal

Wie Menschen und andere Tiere ihre Umwelt gestalten

Heuer findet das Biologicum Almtal zusammen mit dem Junior Biologicum von 7. Oktober bis 18. November aufgrund der aktuellen Covid-Situation als Vortragsreihe online sowie mit Exkursionen im Freien statt. Beim siebten Biologicum und zweiten Junior Biologicum geht es darum, wie Menschen und andere Tiere nicht bloß nutzen, was ihnen "die Natur" bietet, sondern ihre ökologischen und sozialen Umwelten aktiv gestalten und so das Leben konstruieren. Organisiert wird das Biologicum Almtal von der Konrad Lorenz Forschungsstelle der Universität Wien unter der Leitung von Sonia Kleindorfer, Didone Frigerio und Kurt Kotrschal.

Die Covid-Pandemie liefert ein eindrucksvolles Beispiel für menschliche Nischenkonstruktion; das Virus als evolutionär-biologischer Faktor wird nicht einfach passiv hingenommen, sondern die Menschen nehmen die Entwicklungen selber in die Hand und prägen damit – wie andere Lebewesen auch – ihre Lebensbedingungen. Das Prinzip der Nischenkonstruktion teilen Menschen mit allen anderen Lebewesen: So etwa schaffen Honigbienen, Ameisen und Termiten komplexe Bauten, Pflanzenfresser wie Gnus und Zebras bewahren offene Steppe vor dem Verbuschen und Bäume halten sich durch Beschatten Konkurrenten vom Leib.

Menschen als wirkmächtige Konstrukteur*innen

Aufgrund der großen Leistungsfähigkeit von Gehirn und sozialer Organisation sind aber die Menschen die mit Abstand fähigsten Nischenkonstrukteur*innen, die durch ihr technisches Potential und ihre schiere Zahl zu den wirkmächtigen Gestaltern von Umwelt wurden: Erderwärmung, die Verluste an ursprünglichen Lebensräumen und das Aussterben vieler anderer Arten und nicht zuletzt Pandemien wie Covid-19 sind einige der drastischen Folgen. Ein Weitermachen wie bisher wird der Menschheit immer größere Probleme bringen. Guter Wille und Naturromantik alleine werden dabei nicht reichen, um den kommenden Generationen eine lebenswerte Biosphäre zu hinterlassen; es braucht vor allem Wissen, Bewusstsein und Vernunft. Dazu will auch das Biologicum beitragen.

Zu diesem Schwerpunkt werden internationale Top-Wissenschaftler*innen Onlinevorträge halten. Mit dabei sind Ille C. Gebeshuber (Physikerin, Technische Universität Wien), Martin Grassberger (Biologe und Facharzt für Gerichtsmedizin, Universität Wien), Christian Jost, PhD (Biologe und Mathematiker, Université Toulouse III), Angela Kallhoff (Philosophin und Professorin für Ethik, Universität Wien), Georg Kaser (Klimaforscher, Universität Innsbruck), Andreas Novy (Vorstand des Instituts Multi-Level Governance and Development, Wirtschaftsuniversität Wien), Elisabeth Oberzaucher (Verhaltensbiologin, Universität Wien, Technische Universität Wien, Universität für Angewandte Kunst Wien), Sonia Kleindorfer (Organismus-Systembiologin, Universität Wien), Kurt Kotrschal (Verhaltensbiologe, Universität Wien). Im Anschluss an die Vorträge besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Citizen Science beim Biologicum Almtal
Auch Citizen Science wird bei der Vortragsreihe Thema sein. Vorgestellt werden Projekte aus den Naturwissenschaften, die unter Beteiligung Freiwilliger, beispielsweise durch Monitoring, zu Nachhaltigkeit beitragen.

Irmgard Greilhuber (Botanikerin, Universität Wien) forscht mit Unterstützung von Citizen Scientists an den Veränderungen der Pilzwelt durch den Klimawandel; Hjalmar Kuehl und Mimi Arandjelovic (beide Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig) berichten darüber, wie wertvoll die Unterstützung durch Freiwillige bei der Erforschung unserer nächsten Verwandten ist. Linde Morawetz (Biologin, AGES) bezieht Imker*innen in die Erkennung und Bekämpfung gefährlicher Erkrankungen bei Bienenvölkern ein, während Silke Schweiger (Zoologin, Naturhistorisches Museum Wien) die Verbreitung von heimischen Amphibien und Reptilien mit Unterstützung von Citizen Scientists untersucht und zum Schutz der in Österreich streng geschützten Amphibien- und Reptilienarten beiträgt. Didone Frigerio (Verhaltensbiologin, Universität Wien) zeigt auf, wie Freiwillige in die Untersuchung des Brutverhaltens von gefährdeten Arten einbezogen werden können.

Weil in Zeiten von Home-Office der Aufenthalt in der Natur als besonders wohltuend empfunden wird, gibt es von 2. bis 4. Oktober eine Reihe von Exkursionen im Almtal. Wissenschaftler*innen der Konrad Lorenz Forschungsstelle der Universität Wien geben u.a. Einblicke in ihre aktuelle Forschung – Raben, Graugänse, Waldrappe und Singvögel.

Die Teilnahme an der Biologicum Vortragsreihe und den Exkursionen ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Weitere Infos auf: https://biologicum-almtal.univie.ac.at/

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Sonia Kleindorfer

Konrad Lorenz Forschungsstelle für Verhaltens- und Kognitionsbiologie
Universität Wien
4645 - Grünau im Alm, Fischerau 11
sonia.kleindorfer@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Pia Gärtner, MA

Pressebüro der Universität Wien
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-17541
pia.gaertner@univie.ac.at