1000-jährige Bibliothek – die Sprache prüfen

Ausstellung des Künstlers Hannes Priesch zur Auseinandersetzung mit politischer Sprache

Der Gebrauch der Sprache und ihre Struktur sind wesentlich verantwortlich für gesellschaftliche und politische Weichenstellungen. Die schockierende Ereignisse 1938 zeigen auch im Gedenkjahr 2018 noch die Notwendigkeit der Analyse von Sprache auf. Ab Mittwoch, 14. November widmet sich die Ausstellung und Veranstaltungsreihe "1000-jährige Bibliothek" des bildenden Künstlers Hannes Priesch an der Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft dieser Frage. Begleitet wird die Ausstellung von einer Vortragsreihe mit u.a. Publizistin Ingrid Brodnig und Sprachwissenschafterin Ruth Wodak von der Universität Wien.

Das Projekt “1000-jährige Bibliothek” ist ein Art&Science-Projekt mit Fokus auf politischer Bildung und Reflexion. Im Mittelpunkt der Ausstellung des bildenden Künstlers Hannes Priesch steht die Auseinandersetzung mit der totalitären und menschenverachtenden Sprache in Adolf Hitlers "Mein Kampf". Er zeigt damit auf, dass die Tabuisierung und das Verbot dieser Propagandaschrift nach dem Zweiten Weltkrieg nicht den erwünschten Effekt gezeigt haben, nämlich den “Geist in der Flasche” sicher zu verwahren und von der Allgemeinheit fernzuhalten. Gerade im „Erinnerungsjahr“ 2018 wird sichtbar, wie neonationalistische Ausgrenzungsbewegungen, Rassismus und menschenhassende Rhetorik global zunehmen.

Priesch greift in seinem Projekt Passagen aus dem Buch auf, vervielfältigt sie mittelst Handsiebdruck und stellt daraus Buchobjekte her, die als Installation präsentiert werden. Der tabuisierte Gegenstand "Mein Kampf" wird so in neuer Weise Material zur Untersuchung und Reflexion. Die semiotische Referenzveränderung erleichtert es, die von Hitler verwendete Sprache zu studieren und für die Sprache totalitärer Tendenzen und menschenverachtender politischer Strategien in Vergangenheit und Gegenwart sensibilisiert zu werden.

Den Eröffnungsabend der Ausstellung gestalten Beiträge von Petra Bernhardt, Walter Manoschek und Roman Pfefferle von der Universität Wien sowie eine Lesung aus "Mein Kampf" von Katharina Stemberger und Klaus Huhle. Abschließend beantwortet der Künstler im Gespräch mit Peter Huemer Fragen zu seiner Kunstinstallation.

An zwei weiteren Abenden begleiten Vorträge von Ingrid Brodnig zu "Kampfbegriffen im Netz" und Ruth Wodak zu "Politik mit Angst/Hoffnung" die Ausstellung, die bis Ende Februar 2019 an der Universität Wien zu sehen ist.

Das Ausstellungs- und Vortragsprojekt wird als Kooperation der Institute für Politikwissenschaft, Zeitgeschichte und Staatswissenschaft sowie der Universitätsbibliothek der Universität unter der Koordination von Helga Köcher, Beate Lang, Roman Pfefferle und Birgit Sauer durchgeführt.

Ausstellungseröffnung "1000jährige Bibliothek – die Sprache prüfen" mit Hannes Priesch

Zeit: Mittwoch, 14.11.2018, 18 Uhr
Ort: Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft, Universität Wien, 1090 Wien, Rooseveltplatz 2 /Erdgeschoß

Vortrag Ingrid Brodnig: „Kampfbegriffe im Netz - Wie mit Sprache Rassismus und Sexismus legitimiert werden“  Moderation Oliver Rathkolb
Zeit: Mittwoch, 28.11.2018, 19 Uhr
Ort: Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft, Universität Wien, 1090 Wien, Rooseveltplatz 2 /Erdgeschoß

Vortrag Ruth Wodak: „Politik mit Angst und/oder Hoffnung: diskursive Konstruktionen europäischer Identitäten“ Moderation Birgit Sauer
Zeit: Donnerstag, 17.01.2019, 19 Uhr
Ort: Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft, Universität Wien, 1090 Wien, Rooseveltplatz 2 /Erdgeschoß


Weitere Informationen zu den  Veranstaltungen: https://bibliothek.univie.ac.at/events/013414.html

Rückfragehinweis

Beate Lang, Bakk. MSc

Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft
Universität Wien
1010 - Wien, 1090 Wien, Rooseveltplatz 2
+43 1 4277 168 74
beate.lang@univie.ac.at

Paulina Parvanov, BA MA

Pressebüro
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