Licht auf die Schatten der Vergangenheit werfen

Die Rektorentafel der Universität Wien in neuem Licht

Die Rektorentafel, genannt Rektorenfasten, auf der alle Namen der ehemaligen Rektoren aufgelistet sind, befindet sich in der linken Seite der Aula im Hauptgebäude. Mit einer Kunstinstallation setzt die Universität Wien einen weiteren Schritt für eine lebendige Gedenkkultur und die Aufarbeitung ihrer Geschichte, im Mittelpunkt steht der Umgang mit der Eintragung der Rektoren der NS-Zeit in die Rektorentafel. Am Mittwoch, 19. April, 18 Uhr, wird die neue Kunstinstallation von Bele Marx und Gilles Mussard "Rektorenfasten – ins Licht gerückt" offiziell eröffnet und vorgestellt. 

Nach Ende einer Amtszeit eines Rektors wird traditionell dessen Name in latinisierter Form in die sogenannten "Rektorenfasten", die marmorne Gedenktafel im Foyer, in goldener Schrift eingemeißelt. Eine Ausnahme bilden die Jahre 1936 bis 1945. In dieser Zeit wurde dieses Ritual ausgesetzt. In der Nachkriegszeit nimmt die Universität die Tradition wieder auf. Es werden zunächst symbolisch zwei Zeilen für die NS-Zeit freigelassen, dann wird die Liste fortgesetzt. Die so entstandene "Lücke" wird jedoch vom Senat der Universität Wien unter dem Vorsitz des Rektors im Studienjahr 1958/59 wieder "gefüllt".

Die diesbezügliche Stellungnahme der Universität Wien aus dem Jubiläumsjahr 2015, formuliert von der Universitätsleitung unter Einbindung des Instituts für Zeitgeschichte, ist Ausgang für die künstlerische Intervention von Bele Marx und Gilles Mussard. Über eine Glasstele vor der Marmortafel wird der Text auf den Boden projiziert und lädt damit BetrachterInnen zum Betreten der Nische ein. Gleichzeitig setzt sich die Stele durch Spiegelung optisch in einen weiteren Raum fort. Teil der künstlerischen Aufarbeitung des Themas ist zudem die Entfernung des Goldes in der Gravur der nachgetragenen NS-Rektoren und die Ausleuchtung der Kuppel mit gelbem Licht.

Das KünstlerInnen-Duo Marx & Mussard setzte bereits zuvor zwei Projekte an der Universität Wien um, in denen sie sich der eigenen Geschichte stellt: Die Installation "Nobelpreis und Universität Wien – Gruppenbild mit Fragezeichen" sowie das Denkmal "Kontroverse Siegfriedskopf". Mit ihrem neuesten Werk setzt das KünstlerInnenpaar dem schweren Marmor Licht und Glas entgegen, die symbolisch für Aufklärung und Transparenz stehen. Durch den flüchtigen Eingriff mittels Licht und Reflexion müssen BetrachterInnen sich neu orientieren und die marmorn-manifeste Ordnung wird durchbrochen. Marx & Mussard wollen mit der Lichtintervention "Rektorenfasten – ins licht gerückt" eine Diskussion anregen, die eine lebendige Gedenkkultur ermöglicht.  

Eröffnung und Führung: Licht auf die Schattenwelt werfen
Zeit:
Mittwoch, 19. April 2017, 18 Uhr
Ort: Aula im Hauptgebäude der Universität Wien, 1010 Wien, Universitätsring 1

Weitere Informationen zur Rektorentafel

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Anmeldung zur Veranstaltung

Bele Marx & Gilles Mussard

Rückfragehinweis

Mag. Cornelia Blum

Pressesprecherin des Rektorats
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