Bühne frei: Yvonne Kreith erklärt ihre Forschung

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Industriestaaten. Deswegen möchte Yvonne Kreith von der Vienna Doctoral School in Chemistry (DoSChem) an der Uni Wien die Chemotherapie revolutionieren. Im Video erklärt sie, wie sie neue Chemotherapeutika entwickelt – mit dem Ziel, die Selektivität zu verbessern.

Im Rahmen ihrer Forschung an der Vienna Doctoral School in Chemistry (DoSChem) der Uni Wien entwickelt Yvonne Kreith Platinverbindungen, die Zellen abtöten können: "Ich kopple sie an Trägermoleküle, damit meine Substanzen dann in das Tumorgewebe transportiert werden, wo sie akkumulieren. Das Problem an der jetzigen Chemotherapie ist die Unselektivität. Es wird nicht unterschieden zwischen gesunden Zellen und Tumorzellen. Die gesunden werden genauso angegriffen, das führt zu Nebenwirkungen", erklärt sie im Video

Ihre Aufgabe ist es nun, eine Balance zwischen ausreichender Aktivität und geringerer Toxizität zu finden: "Bereits eine kleinere Verbesserung in der Selektivität hat einen großen Impact. In der Chemie beginnt alles mit einer Strukturformel. Meine Aufgabe als Synthesechemikerin ist es, diese Formel zum Leben zu erwecken. Das bedeutet: Ich stelle die Substanz wirklich her. Der Reiz ist dann, diese neu erfundene Substanz als Allererste in den Händen halten zu können. Dass meine Substanzen auch einen Nutzen für die Menschheit haben, ist ein unglaublicher Ansporn sowie eine unermüdliche Motivationsquelle für mich, weiter zu machen", so die Doktorandin an der Fakultät für Chemie. 

14 neue Doktoratsschulen

Die Vienna Doctoral School in Chemistry ist eine von 14 neuen Doktoratsschulen, die diesen Herbst an der Uni Wien starten. "Die neuen Doktoratsschulen entsprechen internationalen Standards und werden höchsten Qualitätsansprüchen gerecht", so Jean-Robert Tyran, Vizerektor für Forschung und Internationales an der Universität Wien. Erhöhte Mittel für die Doktoratsprogramme in Kombination mit einer grundlegend reformierten Struktur befähigen zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten und folgen dem Prinzip Ausbildung durch Forschung. "Die Absolvent*innen der Doktoratsschulen werden durch die Einbettung in die internationale Wissenschaftschaftsgemeinschaft und die Erfahrung, selbständig zu arbeiten, bestens für ihre weitere berufliche Laufbahn vorbereitet, innerhalb oder außerhalb von Universitäten", so VR Jean-Robert Tyran.

Peer-Kultur und internationaler Austausch

Die Doktoratsschulen an der Universität Wien bieten den Doktorand*innen neben speziellen Lehrveranstaltungen und der Vermittlung neuester Methoden und Techniken auch die Möglichkeit, die eigene Forschung in Seminaren intensiv zu diskutieren, sowie eine offene Interaktion mit mehreren Betreuenden und anderen Doktorand*innen. Workshops, Seminare, Forschungsexkursionen, Retreats und Sommerschulen tragen zu einer lebendigen, internationalen Peer-Kultur bei. (red)

Welche Methoden ermöglichen den Medikamenten-Transport direkt zur erkrankten Zelle und die Verabreichung von Impfstoffen über die Haut? Wie können Big Data, Mikrobiomforschung und High-Tech-Chemie modernes Wirkstoff-Design unterstützen? Diese und weitere Themen stehen im Wintersemester 2020/21 mit der Frage "Welche Wirkstoffe haben Zukunft?" zur Diskussion. Zum Beitrag Altes in neuem Glanz: Platin in der Krebstherapie von Chemiker Christian Kowol auf DerStandard.

In der Video-Reihe "Bühne frei: Junge Wissenschafter*innen im Porträt" stellen Doktorand*innen der Universität Wien ihre Arbeit vor. Die Reihe läuft in Kooperation mit der DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung.

Yvonne Kreith ist Doktorandin der Vienna Doctoral School in Chemistry (DoSChem) der Universität Wien. Im Rahmen ihrer Dissertation forscht sie in Kooperation mit dem University College London (UCL) an der Entwicklung einer gezielteren Krebstherapie mit Hilfe von Platin(IV)-Komplexen.