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Genossenschaften im Fokus einer neuen Wirtschaftspolitik

Redaktion (uni:view)
12. Sep 12
Als Resultat der Finanzkrise zeichnen sich in Europa neue wirtschaftspolitische und rechtliche Rahmenbedingungen ab. Welche Rolle dabei Genossenschaften spielen, diskutieren ExpertInnen vom 18. bis 20. September an der Universität Wien. Im Gespräch: Johann Brazda vom Fachbereich für Genossenschaftswesen am Institut für Betriebswirtschaftslehre.

Es ist die "XVII. Internationale Genossenschaftswissenschaftliche Tagung", die heuer – nach beinahe 50 Jahren – wieder in Wien stattfindet. Darüber freut sich der Hauptorganisator der Konferenz, Johann Brazda, Leiter des Fachbereichs für Genossenschaftswesen: "Als wir erfahren haben, dass wir den 'Zuschlag' für die Organisation bekommen haben, war noch nicht klar, dass 2012 auch das UN-Jahr der Genossenschaften sein wird. Die Tagung ist nun auch in diesem bedeutenden Kontext zu sehen."  Organisiert wird die Veranstaltung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Genossenschaftswissenschaftlicher Institute. Der Fachbereich für Genossenschaftswesen am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien kooperiert dabei mit dem Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften der Wirtschaftsuniversität Wien.


Der Fachbereich für Genossenschaftswesen am Institut für Betriebswirtschaftslehre setzt Forschungsschwerpunkte auf den Gebieten des Genossenschaftswesens, insbesondere im Hinblick auf volks- und betriebswirtschaftliche, soziologische, rechtswissenschaftliche und historische Fragen. Aktuell ist es die Finanzkrise, die die beteiligten Wissenschafter – neben Brazda sind das Holger Blisse und Florian Jagschitz – beschäftigt. Dabei blicken sie auch in die Vergangenheit und erarbeiten, wie Genossenschaften historische Krisen bewältigt haben. In der Lehre können sich Studierende u.a. mit Solidarischer Ökonomie, Internationalem Genossenschaftswesen und Internationalem Kooperationsmanagement sowie der Betriebswirtschaftslehre für Genossenschaften auseinandersetzen. "Interdisziplinarität spielt hier in der Lehre als auch in der Forschung eine bedeutende Rolle", so Brazda.



"Cooperative enterprises build a better world"

Ein wichtiger Beweggrund für das "International Year of Cooperatives" sind laut Brazda die bereits 2001 formulierten Milleniumsziele, die bis 2015 erhebliche Verbesserungen u.a. in der Armutsbekämpfung, Frauenemanzipation und Primärschulbildung vorsehen. Sind Genossenschaften eine Lösung, wenn es darum geht, diese Ziele zu erreichen?


Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt, um zu zeigen, welchen Beitrag diese für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung leisten – besonders im Hinblick auf die Verringerung von Armut, die Förderung sozialer Integration und das Schaffen von Beschäftigungsmöglichkeiten. Website International Year of Cooperatives 



Diskutiert wird diese Frage nun auch im Rahmen der internationalen Tagung, die sich dem Thema "Genossenschaften im Fokus einer neuen Wirtschaftspolitik" widmet. "Wir werden uns mit wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten auseinandersetzen und betrachten dabei in erster Linie die vier großen Sparten der Genossenschaften: Kreditgenossenschaften, Ländliche Genossenschaften, Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften und Wohnbaugenossenschaften", so der Experte für Genossenschaftswesen.

Programm der Tagung

Am Dienstag, 18. September, erfolgt um 14 Uhr die Begrüßung und Eröffnung der Tagung durch Gerhard Sorger, bis Ende September Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, sowie den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Genossenschaftswissenschaftlicher Institute Konrad Hagedorn. Es folgt ein Statement zum Internationalen Jahr der der Genossenschaften von Thomas Stelzer, Assistant Secretary-General, Department of Economic and Social Affairs, Vereinte Nationen. Ebenfalls mit dabei ist Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fischerei. Er hält den Festvortrag "Die Welt braucht mehr Genossenschaften!".



Im Rahmen der Tagung findet am Donnerstag, 20. September, 11 Uhr, ein öffentlicher Vortrag statt, zu dem alle Interessierten geladen sind: Ernst Fehr, Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre und Professor für Microeconomics and Experimental Economic Research der Universität Zürich, spricht zum Thema "Foundations of Human Cooperation". Um Anmeldung wird gebeten.  



Prominente Keynote-Speaker …

Unter den zahlreichen Keynote-Speakern befinden sich Theresia Theurl (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Volker Beuthien (Philipps-Universität Marburg), Rafael Chaves Avila (Universität València), Christian Keuschnigg (IHS Wien) und Juhani Laurinkari (University of Eastern Finland, Kuopio). Die beiden Grundsatzreferate (Dienstag, 18. September, ab 16.15) befassen sich mit "Genossenschaften 2012: Einzelwirtschaftliches Fundament, gesamtwirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Werte" und "Die Genossenschaftsidee im Spiegelbild von Rechtsform, Unternehmen und Gesellschaft – Wie geht es weiter?".

… theoretische und praxisorientierte Beiträge

Am Mittwoch und Donnerstag, 19. und 20. September, werden in zahlreichen Vorträgen die aktuelle Situation sowie Zukunftsperspektiven in den Blick genommen. Dabei beschäftigen sich die Vortragenden u.a. mit dem Potenzial kooperativer Ökonomie in der Krise und dem skandinavischen Modell der Genossenschaften. Den vier Spartenvorträgen wie zum Beispiel "Situation und aktuelle Herausforderungen von landwirtschaftlichen Genossenschaften in Europa" folgen 27 deutsch- und englischsprachige Workshops. Sie bieten einen Einblick in die vielfältigen Entwicklungen weltweit. Abgerundet wird das Programm durch Ausstellungen, Präsentationen von Buchneuerscheinungen, die Filmuraufführung "Aus der Geschichte der österreichischen Konsumgenossenschaften" sowie die Filmpräsentation "Allmeinde Vorarlberg". (dh)

"XVII. Internationale Genossenschaftswissenschaftliche Tagung" (IGT)
Dienstag, 18. September, bis Donnerstag, 20. September 2012
Universität Wien
Universitätsring 1, 1010 Wien
Nähere Informationen
Programm der Tagung (PDF)