Auf Spurensuche am Tel Lachish

Im Rahmen des FWF-Projekts "Tracing Transformations" fanden die ersten österreichischen archäologischen Ausgrabungen in Israel seit Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Vanessa Becker, Doktorandin am Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie, war am Tel Lachish dabei.

Tracing Transformations – das mit einem FWF-START-Preis ausgezeichnete Projekt unter der Leitung von Felix Höflmayer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht die Geschichte und Archäologie der späten Mittel-und frühen Spätbronzezeit (ca. 1650-1400 v. Chr.) in der südlichen Levante.

In der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. befand sich der gesamte Vordere Orient im Umbruch: zahlreiche mittelbronzezeitliche Stadtstaaten wurden zerstört, in Ägypten befand sich die Fremdvölkerdynastie der Hyksos im Niedergang. Später sind ägyptische Feldzüge innerhalb Kanaans zu beobachten, bis schließlich Teile des Vorderen Orients einen ägyptischen Vasallenstaat bildeten. Die Erstellung eines verlässlichen chronologischen Gerüstes war lange Zeit problematisch und beeinträchtigte die historische Interpretation von Ursache und Wirkung.


Das Team der Ausgrabungen 2017

Gegenwärtig basiert die Datierung überwiegend auf ägyptischen Schriftquellen, während archäologische Befunde häufig vernachlässigt werden. Deshalb wird im Projekt die materielle Kultur und ihre archäologischen Kontexte bewusst in den Vordergrund gerückt, um nicht nur die zeitliche Abfolge dieser historischen Ereignisse zu klären, sondern auch um deren Auswirkung auf die lokale Gesellschaft zu untersuchen.


Die WissenschafterInnen beim Sieben

Im Rahmen dieses Projekts finden die ersten österreichisch-israelischen Ausgrabungen seit dem frühen 20. Jahrhundert statt. Am Tel Lachish, etwa 40 km südwestlich von Jerusalem befindet sich einer der bedeutendsten Fundorte in der Region.

Dort untersuchten wir gemeinsam mit KollegInnen der Akademie der Wissenschaften und der Hebräischen Universität Jerusalem Siedlungsschichten am Übergang von der Mittel- zur Spätbronzezeit, um mehr über diese Umbruchsperiode im mittleren 2. Jahrtausend v. Chr. herauszufinden.

Lachish wird nicht nur in der hebräischen Bibel erwähnt, sondern war bereits seit der Frühbronzezeit (ab ca. 3500 v. Chr.) besiedelt. Das Wort "Tel" bezeichnet einen antiken Siedlungshügel. Die Menschen im Orient hatten in der Vergangenheit die Vorliebe den gleichen Siedlungsplatz zu behalten und im Falle von Neubauten, die alten Komplexe einzuebnen und darauf die neuen Gebäude zu errichten. Deshalb wuchsen die Städte mit der Zeit in die Höhe und heben sich daher heute im Landschaftsbild deutlich ab.


Das Projekt setzt den Tiefschnitt einer früheren Grabung (1973-1994 unter D. Ussishkin, Universität Tel Aviv) fort. Die ehemaligen Grabungen wurden auf dem Level der Spätbronzezeit gestoppt und somit der Übergang zur Mittelbronzezeit für das gegenwärtige Projekt bewahrt.

Wir sind überzeugt, in den nächsten Jahren anhand der Grabungsergebnisse als auch aufgrund der Studien zu den ägyptischen und lokal gefertigten Skarabäen zu einem besseren Verständnis dieser, für den Vorderen Orient, einzigartigen Umbruchszeit zu gelangen.

Im Zuge meiner Promotion hatte ich mich bereits mit ägyptischen Skarabäen und ihren lokalen Imitationen am Übergang von der Mittel- zur Spätbronzezeit in der Levante und Ägypten. Hierbei ist vor allem die Datierung archäologischer Kontexte in beiden Kulturräumen von großem Interesse, denn deren Analyse könnte vielversprechende Aufschlüsse zur Lösung chronologischer Probleme liefern. Durch eine Zusammenarbeit  zahlreichen Sammlungen, Museen und Universitäten auf der ganzen Welt zusammen, um einen möglichst großen Katalog von Skarabäen aus archäologisch stratifizierbaren Kontexten erstellen zu können. (Text: Vanessa Becker/Fotos: Jared Dye)

Das Projekt "Tracing Transformations" wird von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie der Universität Wien sowie der Hebräischen Universität Jerusalem durchgeführt. Vanessa Becker ist Doktorandin am Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie und war bei den Ausgrabungen am Tel Lachish dabei.