Open Access für die Wissenschaft

OpenAIRE (Open Access Infrastructure for Research in Europe) ist ein wegweisendes Projekt zum Aufbau einer digitalen Forschungsinfrastruktur in der Europäischen Union. Projektträger sind insgesamt 38 europäische Partner; Österreich ist durch die Universitätsbibliothek Wien vertreten. Das Projekt unterstützt die Europäische Kommission bei der Umsetzung eines Open-Access-Pilotprogramms im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms.

Der Begriff "Open Access" steht für den unbeschränkten und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlicher Information im Internet. Open-Access-Publishing garantiert unter anderem höhere Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit von Dokumenten, kürzere Publikationswege sowie niedrigere Produktions- und Distributionskosten. Wissen kann rascher, gezielter und effektiver verteilt werden, und von öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsergebnisse werden der breiten Öffentlichkeit möglichst barrierefrei und kostenlos zugänglich gemacht.

Open Access in der Forschung

Open Access ermöglicht zudem einen raschen und umfassenden Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, wodurch Manuskripte durch die Academic Scientific Community öffentlich diskutiert werden können. Ziel der Open-Access-Bewegung ist es, wissenschaftliche Literatur und Materialien für alle NutzerInnen kostenlos im Internet zugänglich zu machen.

Wichtigstes Ziel dabei ist die maximale Verbreitung wissenschaftlicher Information, wie sie 2003 in der Berliner Erklärung gefordert wurde. Diese wurde seither von zahlreichen Forschungsorganisationen und Universitäten – z.B. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF), Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS), Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Max-Planck-Gesellschaft (MPG), CERN und Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) – unterzeichnet. Auch die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) gab Empfehlungen zu einer Open-Access-Politik der Universitäten ab. Einen umfangreichen Überblick zum Thema bietet die Open-Access-Website, auf der auch auf österreichische Rechtsverhältnisse abgestimmte Informationen angeboten werden.

Open Access für EU-Projekte

Die Europäische Kommission und das European Research Council möchten die möglichst breite und freie Zugänglichkeit von Forschungsdaten aus EU-Projekten sicherstellen. Im August 2008 legte die Europäische Kommission fest, dass peer-reviewte Beiträge bzw. Endberichte von FP7-Projekten in Online-Repositories archiviert und nach Möglichkeit per Open Access zugänglich gemacht werden.

Dafür wird eine Infrastruktur zur Unterstützung von WissenschafterInnen in Europa aufgebaut, um wissenschaftliche Artikel aus sieben thematischen Gebieten – Energie, Umwelt, Gesundheit, ICT, Forschungsinfrastruktur, Wissenschaft in der Gesellschaft, Sozioökonomie und Geisteswissenschaften – zu präsentieren. Dies betrifft vor allem jene Publikationen, die peer-reviewt und für eine Veröffentlichung akzeptiert sind sowie die Sonderklausel 39 beinhalten – also online publiziert werden sollen. Eingeladen zur Teilnahme sind alle Projekte, die EU-Förderungen erhalten.

OpenAIRE – Der Weg zum Repositorium

Am 1. Dezember2009 startete das Projekt OpenAIRE, um genau dieses Ziel zu unterstützen. Gemeinsam mit 37 weiteren europäischen Partnern aus 27 Ländern – inklusive CERN und Norwegen – nimmt die Universitätsbibliothek Wien an diesem zukunftsorientierten Projekt teil, das etwa 20 Prozent der Mittel im siebten Forschungsrahmenprogramm umfasst. Kernpunkt ist die Entwicklung enger Beziehungen nicht nur mit anderen Open-Access-Repositorien, sondern auch mit Verlagen und interdisziplinären Projekten in Europa.

Ein am CERN angesiedeltes OpenAIRE Orphan Record Repository steht europaweit zur Langzeitarchivierung z.B. von Ergebnissen und Publikationen des FP7-Forschungsprogramms zur Verfügung. Objekte können so mit einer persistenten Signatur sicher archiviert werden. Weiters wurde ein europaweiter Helpdesk für die Projekte des FP7 in der jeweiligen Landessprache eingerichtet.

Archivieren von FP7-Materialien für Angehörige der Universität Wien

WissenschafterInnen der Universität Wien steht das digitale Langzeitarchivierungssystem "Phaidra" zur Verfügung. Der Upload erfolgt in wenigen Schritten. Nach dem Einloggen mit dem Mailbox-Account unter der Phaidra-Website wird das Dokument geladen, entsprechend beschrieben und kann mit einem speziellen Stylesheet versehen werden. Das Objekt ist danach mittels permanenten Links mit dem neuen FP7-Stylesheet weltweit abrufbar. Eine Anleitung dazu ist auf der Projekt-Website zu finden.


Dr. Susanne Blumesberger vom Bibliotheks- und Archivwesen ist für das Customer Management von Phaidra zuständig.