"Robophilosophie": Auf der Suche nach den Auswirkungen der Roboterrevolution

Internationale Konferenz "Envisioning Robots in Society – Politics, Power, and Public Space"

An der Universität Wien kommen ab Mittwoch, 14. Februar 2018, WissenschafterInnen aus der geisteswissenschaftlichen Forschung zur sozialen Robotik zusammen. Unter dem Thema "Envisioning Robots in Society – Politics, Power, and Public Space" stellen ExpertInnen aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Philosophie, Robotik, Anthropologie, Psychologie, aber auch Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ihre Denkansätze vor. Auf dem Programm stehen unter anderem Vorträge von Joanna Bryson, Computerwissenschafterin an der University of Bath, und von Hiroshi Ishiguro vom Intelligent Robotics Laboratory der Osaka University.

Die zweijährlich stattfindende Veranstaltungsreihe ist 2014 als erste auf diesem Gebiet vom internationalen Forschungsnetzwerk Transdisciplinary Studies in Social Robotics (TRANSOR) ins Leben gerufen worden. 2018 konzentriert sich die Konferenz, die gemeinsam von Universität Wien und der Universität von Aarhus organisiert wird, auf philosophische Fragen, die durch die soziale Robotik in allen Bereichen der Philosophie zutage treten; u. a. in der Ontologie, Metaphysik, Philosophie des Geistes, Epistemologie und der Ethik. Doch aufgrund ihrer naturgemäßen Interdisziplinarität betrifft Roboterphilosophie WissenschafterInnen der Philosophie, Robotik, Anthropologie, Psychologie, Linguistik, Soziologie und Kunst sowie der Kognitions-, Rechts-, Wirtschaftswissenschaft.

"Der thematische Schwerpunkt auf wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Aspekte ist zeitgemäß, dringlich und höchst relevant aufgrund des derzeitigen Wandels in Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft", erklärt der Hauptveranstalter der Konferenz, Technikphilosoph Mark Coeckelbergh. Automatisierung gilt als neue Schlüsselstrategie für die Produktivitätssteigerung – viele Länder befinden sich auf dem besten Weg in die sogenannte Industrie 4.0, in der Software-Bots und Roboter in allen Wirtschaftszweigen inklusive des Dienstleistungssektors eingesetzt werden.

Die Robotik entwickelt zunehmend intelligente, stärker vernetzbare künstliche Akteure, deren potenzielle Anwendungsbereiche sich auf immer komplexere räumliche und soziale Kontexte erstrecken. So ergibt sich eine Reihe von Fragen für politische Entscheidungsinstanzen sowie Technik und Forschung: Welchen soziopolitischen, soziokulturellen, wirtschaftlichen und ethischen Herausforderungen müssen sich Menschen künftig stellen, wenn Roboter Teil einer wachsenden Zahl an Alltagskontexten werden? Ist damit eine Vergrößerung des Prekariats unumgänglich oder ebnet die "Roboterrevolution" den Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit? Wie sollte unsere Vorstellung von Robotern in der Gesellschaft aussehen?

Die Konferenz Robophilosophy 2018 konzentriert sich insbesondere auf den Kontext von Politik und Entscheidungsfindung. Nationale Ethik- und Rechtsbeiräte, wie der kürzlich gegründete österreichische Roboter-Rat, sind zur Unterstützung in der Entscheidungsfindung in Bezug auf vorhersehbare Veränderungen aufgrund von Automatisierungsprozessen ins Leben gerufen worden. Zentral ist die Beurteilung ethischer und gesellschaftlicher Auswirkungen dieser Veränderungen – ohne dabei jedoch den Fortschritt sowie ethische und kulturelle Werte aus den Augen zu verlieren.

"Politischen Entscheidungsinstanzen muss klar sein, dass eine rein wirtschaftliche Perspektive zu kurz greift", so Coeckelbergh. Forschung, Technik sowie Politik und Unternehmen haben eine gemeinsame Verantwortung in der Entwicklung der "Roboterrevolution". In Zusammenhang mit Vorstellungen von Robotern in der Gesellschaft ist es eine der wesentlichen Herausforderungen, diese Verantwortung zu definieren, zu tragen und gemeinsam zu bewältigen.

Sponsoren der Konferenz sind die Carlsberg Foundation, Danish Council for Independent Research sowie das BMVIT.

Programm: www.robo-philosophy.org 

Internationale Konferenz "Envisioning Robots in Society – Politics, Power, and Public Space"
Zeit: Mittwoch, 14. Februar 2018 bis Samstag, 17. Februar 2018
Ort: Campus der Universität Wien, 1090 Wien, Spitalgasse 2

Wissenschaftlicher Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Mark Coeckelbergh

Institut für Philosophie
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsstraße 7
+43-1-4277-464 66
+43-664-602 77-464 66
mark.coeckelbergh@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 33
+43-664-60277-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at