Realität nach der Flucht

"Marie Jahoda Summer School of Sociology" zu "Exil und Gedächtnis"

Die diesjährige "Marie Jahoda Summer School of Sociology" an der Universität Wien widmet sich dem Thema Exil und Gedächtnis. Sie versammelt von 25. bis 29. September bereits zum siebenten Mal renommierte internationale ExpertInnen, die sich mit PhD-Studierenden an der Universität Wien austauschen und zudem hochkarätige öffentliche Vorträge halten. Heuer werden unter anderem Smaïn Laacher von der Universität Strasbourg und Marianne Hirsch von der Columbia University erwartet.

Als Exil wird erzwungene Migration (Flucht, Vertreibung, Verfolgung, Deportation) definiert, der sich auch in individuellen und kollektiven Formen und Praktiken eines "doing memory" äußert. Die Formierung dieses "doing memory" kann in unterschiedlicher Weise sozial und symbolisch sichtbar werden: abhängig vom Status der jeweiligen Gruppe, vom Spannungsfeld zwischen Exilgedächtnis und dominantem Gedächtnis oder von der Generationsfrage. Die Marie Jahoda Summer School verfolgt den Anspruch, dieses Themenfeld entlang der angesprochenen soziologisch relevanten Aspekte aufzuarbeiten und gleichzeitig die Interdisziplinarität der Thematik zu beleuchten.

Dem Phänomen der erzwungenen Migration widmet sich der Vortrag von Smaïn Laacher von der Universität Strasbourg. Millionen von Menschen teilen die Erfahrung einer von temporären Unterkünften geprägten Realität nach der Flucht. Laacher erörtert grundlegende Fragen, die sich im Zusammenhang mit dieser Erfahrung stellen: An einen Ort zu gelangen, der zwar physischen Schutz bietet, aber kein Zuhause – als Ort der Erzeugung eines guten und sicheren Lebens.

Marianne Hirsch, William Peterfield Trent Professor of English and Comparative Literature an der Columbia University, geht in ihrer Keynote auf die Frage ein, wie die Erinnerung an erfahrene Gewalt in eine positive Zukunft münden kann. Ausgehend von der Beobachtung einer wiederkehrenden Festschreibung von Nationalismus und Eurozentrismus in Museen und Gedenkrituale diskutiert Hirsch anhand neuer Erinnerungsprojekte von KünstlerInnen in der Diaspora die Unsicherheit und  Vulnerabilität von Exil und Staatenlosigkeit. Während ForscherInnen "Gedächtnis" als transnational oder transkulturell definieren, präsentieren KünstlerInnen in der Diaspora Staatenlosigkeit als einen potentiellen Raum für Widerstand gegen nationalistische Vorstellungen sowie als Rahmen für Begegnung und Vernetzung.
 
Weitere öffentliche Veranstaltungen gibt es mit Marie Rodet (University of London) und Breda Gray (University of Limerick). Zum Abschluss der Summer School findet noch ein Round table mit dem Titel  "Exil in der österreichischen Gesellschaft" statt.

Öffentliche Keynotes
Smaïn Laacher, University of Strasbourg:
Schutzsuchende ohne schützenden Ort, oder was es heißt "sein Zuhause zu verlieren"
Zeit: 25. September 2017, 18.30 Uhr
Ort: Theater Brett, Münzwardeingasse 2, 1060 Wien
Vortrag in französischer Sprache mit englischer Übersetzung

Marianne Hirsch, Columbia University:
Stateless memory
Zeit: 28. September 2017, 18.30 Uhr
Ort: Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien
Vortrag in englischer Sprache

Lunch Lectures
Marie Rodet, SOAS, University of London:
(Re)thinking Migration Memories and Diasporic Practices from the Perspective of the African Continent
Zeit: 26. September 2017, 13.30 Uhr
Ort: Institut für Soziologie, Rooseveltplatz 2, 1090 Wien

Breda Gray, University of Limerick:
Social Relations of Exile and Memory: Shaping the Terms of Belonging
Zeit: 27. September 2017, 13.30 Uhr
Ort: Institut für Soziologie, Rooseveltplatz 2, 1090 Wien

Die Vorträge können kostenfrei besucht werden.

Weitere Informationen:
http://www.soz.univie.ac.at/marie-jahoda-summer-school-2017/public-keynote-and-lectures/ 

Wissenschaftlicher Kontakt

Ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinprecht

Institut für Soziologie
Universität Wien
1090 - Wien, Rooseveltplatz
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christoph.reinprecht@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Mag. Alexandra Frey

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Forschung und Lehre
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