Neue Ehrendoktoren: Alfred Bader, Walter Kohn und Peter Pulzer

Utl.: In Österreich geboren und vertrieben: Drei internationale Größen der Wissenschaft erhalten das Ehrendoktorat der Universität Wien

Ein kanadischer Chemiker, ein US-amerikanischer Physiker sowie ein britischer Historiker und Politikwissenschafter: Alle drei – Alfred Robert Bader, Walter Kohn und Peter George Julius Pulzer – wurden in den 1920er Jahren in Wien geboren und mussten vor dem Nationalsozialismus fliehen. Am Dienstag, 4. Dezember, 11 Uhr, werden die drei renommierten Wissenschafter mit Ehrendoktoraten der Universität Wien ausgezeichnet. Die Ehrendoktorate verleiht Heinz W. Engl, Rektor der Universität Wien.  Die Laudationes halten Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie, Markus Arndt, Dekan der Fakultät für Physik und Friedrich Stadler, Professor am Institut für Zeitgeschichte und am Institut für Philosophie.

Gemeinsam mit Carl Djerassi zählen Alfred Robert Bader, Walter Kohn und Peter George Julius Pulzer zu den "Vier Weltstars der Wissenschaft". Alle vier haben ihre Wurzeln in Wien und wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1938/39 von dort vertrieben. Carl Djerassi wurde am 5. Juni 2012 zum Ehrendoktor der Universität Wien ernannt. Am 4. Dezember 2012 erhalten Alfred Robert Bader, Walter Kohn und Peter George Julius Pulzer die höchste Auszeichnung, welche die Universität Wien zu vergeben hat. Nach der Begrüßung durch Rektor Heinz W. Engl und einer Ansprache von Claudia Theune-Vogt, Dekanin der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, halten die Dekane der Fakultäten für Chemie und Physik, Bernhard Keppler und Markus Arndt, die Laudationes für Alfred Robert Bader und Walter Kohn. Die Laudatio für Peter George Julius Pulzer hält Friedrich Stadler, Leiter des Forums "Zeitgeschichte der Universität Wien" und Professor am Institut für Zeitgeschichte sowie am Institut für Philosophie.

Von jüdischen Flüchtlingen zu internationalen Größen der Wissenschaft

Alfred Robert Bader ist kanadischer Chemiker, Unternehmer und Kunstsammler. Er wurde 1924 in Wien geboren. Ende 1938 kam er mit einem Kindertransport nach Großbritannien und als Jugendlicher als "Enemy Alien" in ein kanadisches Kriegsgefangenenlager. 1941 begann er an der Queen's Universität das Studium der Technischen Chemie und machte 1950 in Harvard sein Doktorat. Er war Gründer und Präsident der Firma Sigma-Aldrich, einem der weltweit größten Produzenten und Lieferanten von Forschungschemikalien. Als Kunstsammler und Mäzen finanziert er zusammen mit seiner Frau Isabel Projekte aus Kunst und Naturwissenschaften. Mit seiner finanziellen Unterstützung wurde an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften der Ignaz L. Lieben Preis wieder eingerichtet.

Der US-amerikanische Physiker Walter Kohn wurde 1923 in Wien geboren. Auch er floh mit einem Kindertransport nach Großbritannien und wurde von dort als "Enemy Alien" nach Kanada gebracht – zwei Jahre später kämpfte er für Kanada an der Front der Allierten. Er studierte Mathematik und Physik, 1948 promovierte er in Harvard. 1959 veröffentlichte er seine Entdeckung zur Kohn-Anomalie.1979 wurde er Professor an der University of California, Santa Barbara, wo er auch emeritierte. Gemeinsam mit John A. Pople erhielt er 1998 für die Entwicklung der Dichtefunktionaltheorie, deren Grundlage das Hohenberg-Kohn-Theorem ist, den Chemie-Nobelpreis. Seit 2011 ist er Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Peter George Julius Pulzer ist britischer Historiker und Politikwissenschafter. Er wurde 1929 in Wien geboren und floh 1939 mit seiner Familie nach Großbritannien. Pulzer studierte an der Universität Cambridge Geschichte und promovierte 1960. Im Jahr 1964 erschien sein Standardwerk der Antisemitismusforschung "The Rise of Political Anti-Semitism in Germany and Austria" (1966 wurde die deutsche Übersetzung publiziert).1985 wurde Pulzer an die Universität von Oxford berufen, wo er auch emeritierte. Pulzer ist Vorsitzender des Leo Baeck-Instituts in London – eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums.

Verleihung der Ehrendoktorate
Zeit:
Dienstag, 4. Dezember 2012, 11 Uhr
Ort: Großer Festsaal der Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien

Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universitätsring 1, 1010 Wien
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-60277-175 30
veronika.schallhart(at)univie.ac.at

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1010 - Wien, Universitätsring 1
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