Familienforscher*innen tagen an der Universität Wien

Interdisziplinärer Austausch zum Thema Familie – Bildung – Migration

Bereits zum 5. Mal treffen sich renommierte Wissenschafter*innen der internationalen Familienforschungsszene beim Europäischen Fachkongress für Familienforschung. Von Donnerstag, 9. bis Samstag, 11. November 2017 befassen sich die Expert*innen mit der Lebenswirklichkeit von Familien und der Zukunft des gesellschaftlichen Miteinanders. Im Fokus des Kongresses an der Universität Wien stehen dabei die Vielfalt von Familienformen und Elternschaft, die Familie als Umfeld für Bildung sowie Migration und Transnationalität.

Auf dem Kongress diskutieren internationale Vertreter*innen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen die Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftlichen Folgen vielfältiger familienbezogener Entwicklungen in Österreich und für Europa. Ein wichtiges Ziel der Veranstaltung ist die Verknüpfung von Wissenschaft und Forschung mit der Praxis. Im interdisziplinären Kontext diskutieren dabei Expert*innen aus den Bereichen Soziologie, Psychologie, Ökonomie, Demographie, Politologie, Pädagogik sowie Rechtswissenschaft zu folgenden relevanten Themen:

Fragmentierung der Elternschaft
Das Ob, Wann und Wie der Familiengründung sowie die Konstellationen von Elternschaft werden zunehmend individueller und damit vielfältiger. Die Bedingungen der Familiengründung haben sich, nicht zuletzt durch die Reproduktionsmedizin, stark verändert und sind in deutlich höherem Maße gestaltbar geworden. Obwohl die Mehrheit der Familien auch heute noch aus Kindern und zwei leiblichen Elternteilen besteht, gewinnen Familienformen zunehmend an Bedeutung, die durch eine Fragmentierung der Elternschaft – also einem Auseinanderfallen biologischer, genetischer, rechtlicher und sozialer Elternschaft – gekennzeichnet sind. Eine vollständige oder teilweise Entkoppelung dieser Merkmale findet sich etwa in Stief-, Patchwork, Adoptiv- oder Pflegefamilien. Für solche Familien ergeben sich spezifische Herausforderungen und Chancen, wie etwa die Entwicklung eines Selbstverständnisses als Familie, die Rechte und Pflichten von leiblichen und sozialen Eltern oder die Rollenverteilung im Familienalltag. 

Multilokalität
Ein weiteres hoch relevantes Phänomen unserer Gesellschaft ist die Multilokalität von Familie. Zunehmend mehr Kinder, Mütter und Väter wohnen zeitweilig oder auch langfristig nicht in einem Haushalt zusammen und sind zwischen den verschiedenen Wohnorten der Familie unterwegs, um in Kontakt miteinander zu bleiben. Die Mehr-Örtigkeit des Familienalltags erfordert von Eltern und Kindern neue Praktiken, die es ermöglichen, trotz räumlicher Distanz die emotionale und soziale Verbundenheit aufrecht zu erhalten. 

Migration
Durch Globalisierung, Mobilität und Migration entstehen immer häufiger familiale Verbindungen, in denen unterschiedliche kulturelle Traditionen aufeinandertreffen und wo eine der zentralen Herausforderung darin besteht, gemeinsame Werte- und Rollenvorstellungen für den Alltag als Familie auszuhandeln. Leben die Familienmitglieder noch dazu in unterschiedlichen Ländern, sind sie vielfach auch mit dem Problem konfrontiert, für nicht im selben Land lebende Angehörige sorgen zu müssen (transnationale Betreuung und Pflege). 

Eltern- und Familienbildung
Familie ist die erste Bildungsinstanz im Leben eines Kindes und prägt seine Bildungskarriere entscheidend mit. Aufgabenteilung und Kooperation von Elternhaus und Schule haben sich in den letzten Jahrzehnten nachhaltig geändert und fordern sowohl Familien als auch Bildungsinstitutionen in hohem Maße. Um eine Überforderung der Familien zu vermeiden, haben sich die Angebote der Eltern- und Familienbildung als wichtige präventive Maßnahme etabliert. Dabei sind diese Bildungsangebote vor die Herausforderung gestellt, in ihrer Ausgestaltung der zunehmenden sprachlichen und kulturellen Vielfalt und Diversität Rechnung zu tragen.

Organisiert wird der Familienforschungskongress vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien, dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) sowie dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden.

5. Europäischer Fachkongress Familienforschung
Zeit:
Donnerstag, 9. bis Samstag, 11. November 2017
Ort: Hauptgebäude der Universität Wien, Großer Festsaal, 1010 Wien, Universitätsring 1

Anmeldung erforderlich

Konferenzsprache Deutsch und Englisch

Podiumsdiskussion "Migration – Herausforderungen für Politik und Wissenschaft"
Zeit:
Freitag, 10. November 2017, 19 Uhr
Ort: Hauptgebäude der Universität Wien, Großer Festsaal, 1010 Wien, Universitätsring 1

Freier Eintritt zur Podiumsdiskussion

Wissenschaftlicher Kontakt

Mag. Rudolf Karl Schipfer

Projekt: Familienforschung in Österreich
Universität Wien
1010 - Wien, Grillparzerstraße 7
+43-1-4277-489 13
rudolf.schipfer@univie.ac.at

Dipl.-Sozialpäd. (FH) Olaf Kapella

Projekt: Familienforschung in Österreich
Universität Wien
1010 - Wien, Grillparzerstraße 7
+43-1-4277-489 07
olaf.kapella@univie.ac.at

Rückfragehinweis

Stephan Brodicky

Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
+43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at