Drei prestigereiche "ERC Starting Grants" für ForscherInnen der Universität Wien

Goulnara Arzhantseva, Professorin an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien, sowie die Molekularbiologen Sascha Martens und Florian Raible von den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien erhalten "ERC Starting Grants" des Europäischen Forschungsrates. Somit geht bereits zum sechsten Mal seit 2007 diese hoch dotierte Förderung für junge SpitzenforscherInnen an die Universität Wien.

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen. Gefördert werden Forschungsprojekte mit hohem Potenzial für Innovationen; ein internationales Gutachtergremium mit renommierten ExpertInnen entscheidet über die Förderungswürdigkeit der Anträge. Den ausgewählten ForscherInnen wird entsprechender Freiraum zur Verwirklichung ihrer Visionen zugestanden. "Die nunmehrige Auszeichnung ist ein großer Erfolg für die WissenschafterInnen und bestätigt die Berufungspolitik der Universität Wien", freut sich Heinz W. Engl, Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Wien.

Gruppentheorie: Etablierung eines neuen Forschungszweiges

Gruppen sind mathematische Strukturen, die Symmetrien ausdrücken. Arzhantsevas Forschung ist ein zentraler Teil der Algebra, die Anwendungen betreffen mathematische Gebiete sowie Physik, Chemie, Biologie und Informatik. Ziel ihres Projektes ist, neue Konzepte und Techniken in der geometrischen und asymptotischen Gruppentheorie zu entwickeln, die zur Etablierung eines Forschungszweigs führen – der analytischen Gruppentheorie. Arzhantseva wurde in Russland geboren und erlangte ihr Doktorat in Mathematik an der Moskauer Lomonossow-Universität. Ab 1998 forschte sie in der Schweiz; seit 2010 ist sie Professorin für Algebra an der Universität Wien.

HOR.MOON: "mondsüchtige" Borstenwürmer

Florian Raible beschäftigt sich mit der mondlichtabhängigen Hormonproduktion des Borstenwurmes Platynereis dumerilii. Das von Mondphasen gesteuerte Fortpflanzungsverhalten vieler Meeresbewohner ist gut bekannt, die zugrundeliegenden molekularen Prozesse sind aber kaum erforscht. Raible konnte zeigen, dass das hormonelle Steuerungssystem des Borstenwurmes unerwartete Ähnlichkeiten mit dem von Menschen und anderen Wirbeltieren aufweist. Er promovierte am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik bzw. an der TU Dresden. Danach war Raible in Berlin und Heidelberg tätig. Seit 2008 forscht er an den Max F. Perutz Laboratories.

Autophagosomen: Rohstoff-Recycling in der Zelle

Autophagie ist ein von der einzelligen Hefe bis zum Menschen höchst ähnlich ablaufender Vorgang, der der Wiedergewinnung von essentiellen Rohstoffen in der Zelle dient. Er tritt in Hungersituationen, beim Abbau beschädigter Zellbestandteile oder beim Abtöten von Krankheitserregern auf. Hierbei werden in der Zelle "Recycling-Stationen", die Autophagosomen, gebildet, in denen die "überflüssigen" oder schädlichen Substanzen abgebaut werden. In seinem Projekt befasst sich Sascha Martens mit den molekularen Mechanismen der Bildung dieser Autophagosomen. Er erwarb sein Doktorat in Genetik an der Universität Köln. Danach war er als in Cambridge tätig und wechselte 2009 an die MFPL.

Bereits elf "ERC Grants" für die Universität Wien


Mit Goulnara Arzhantseva, Sascha Martens und Florian Raible hält die Universität Wien bereits bei sechs "ERC Starting Grants" seit Einführung des Förderprogramms 2007. Ebenso erhielten die Historikerin Sigrid Wadauer sowie die Physiker Markus Aspelmeyer und Frank Verstraete diesen Preis. An weitere fünf WissenschafterInnen der Universität Wien gingen "ERC Advanced Grants": Herlinde Pauer-Studer (Philosophie), Anton Zeilinger (Physik), Tecumseh Fitch (Kognitionsbiologie) sowie Ludmil Katzarkov und Walter Schachermayer (Mathematik).

Max F. Perutz Laboratories
Die Max F. Perutz Laboratories sind ein 2005 gegründetes Joint-Venture der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien am Campus Vienna Biocenter. An den MFPL forschen über 60 Arbeitsgruppen im Bereich Molekularbiologie. Seit 2007 leitet der Biochemiker Graham Warren das Institut.

Website des European Research Council: http://erc.europa.eu/

Rückfragehinweis
Mag. Cornelia Blum
Pressesprecherin
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
M +43-664-602 77-100 12
cornelia.blum(at)univie.ac.at

Bild: Florian Raible (links) und Sascha Martens (rechts, Copyright: MFPL)

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Pressesprecherin des Rektorats
Universität Wien
1010 - Wien, Universitätsring 1
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cornelia.blum@univie.ac.at